6. Abbildungsfehler

Die Konstruktion von Objektiven wird immer komplexer. Dabei geht es zum einen um die Verbesserung der Abbildungsleistung, zum anderen aber auch um die Erweiterung des Leistungsumfangs des Objektivs (z.B. Mega-Zooms oder Bildstabilisatoren).

Bislang scheinen beide Ziele sich noch gegenseitig auszuschließen. Eine Festbrennweite liefert meist bessere Abbildungsqualitäten als ein Zoom, ein Zoom mit kleinen Brennweitenbereich meist bessere als ein Mega-Zoom.

Die typischen Abbildungsfehler, die auch heute noch auftreten können, sollen hier kurz angerissen werden.

Vignettierung

Als Vignettierung wird eine Abdunkelung des Bildes an den Rändern und in den Ecken bezeichnet. Sie entsteht dadurch, dass ein Objektiv nicht in der Lage ist, den gesamten Bildsensor flächendeckend mit gleichbleibender Lichtintensität zu versorgen.

Digitalkameras sind für Vignettierung besonders anfällig, da auch in den Randbereichen das Licht möglichst senkrecht auf den Sensor fallen muss. Die einzelnen Sensorzellen (Fotodioden) liegen leicht versenkt hinter Streulinsen und Filtern auf dem Sensor. Trifft das Licht nicht optimal auf den Sensor, kann es teilweise die Sensorzellen nicht erreichen.

Vignettierung kann vor allem bei Weitwinkelobjektiven auftreten. In der RAW-Konvertierung oder der Bildnachbearbeitung kann der Effekt abgemildert werden.

Bildfeldwölbung

Bei einer Bildfeldwölbung ist die Schärfenebene des Objektivs gekrümmt. Bildpunkte an den Bildrändern fokussieren nicht in derselben Ebene wie Bildpunkte in der Bildmitte.

Die Bildfeldwölbung wird durch einen Schärfeabfall an den Bildrändern sichtbar. Sie kann auch heute noch an Weitwinkelobjektiven auftreten.

Meist kann der Fehler durch Schließen der Blende abgemildert werden. Eine kleinere Blendenöffnung erhöht die Schärfentiefe, so dass auch in den Randbereichen Bildpunkte wieder scharf abgebildet werden.

Chromatische Aberration

Die chromatische Aberration ist ein Abbildungsfehler, der durch Farbsäume oder Farbverschiebungen sichtbar werden kann. Der Fehler tritt durch eine unterschiedliche Streuung der Wellenlängen des Lichts (Farbe) auf (in der Grafik links dargestellt).

Objektivhersteller versuchen das Problem durch Verwendung spezieller Linsen aus sog. LD-Glas (Low Dispersion) zu vermeiden.

Chromatische Aberrationen nehmen meist bei geschlossener Blende wieder ab. Daneben bieten viele RAW-Konverter und Bildbearbeitungsprogramme Werkzeuge an, mit denen die Farbsäume beseitigt werden können. Allerdings ist dies nicht immer ganz einfach.

Verzeichnung

Kissenförmig

Verzeichnung oder Distorsion entsteht, wenn durch schräg einfallendes Licht Bildpunkte leicht verschoben werden. Gerade Linien erscheinen dadurch im Bild leicht verzerrt.

Weitwinkelobjektive erzeugen meist eine tonnenförmige Verzeichnung, während Teleobjektive in der Regel eine leicht kissenförmige Verzeichnung haben.

Auf die Verzeichnung des Objektivs haben Sie bei der Aufnahme keinen Einfluss. Zwar kann an einigen Objektiven der Effekt durch das Schließen der Blende leicht abmildern. In erster Linie ist aber Verzeichnung ein konstruktionsbedingtes Problem.

Lichtbeugung

Passieren Lichtstrahlen scharfe Kanten, wie etwa die Lamellen der Blende, kann es passieren, dass sie leicht gebeugt werden.

In der Fotografie wird dieser Effekt durch einen Verlust an Bildschärfe sichtbar und ist bei maximal geschlossener Blende besonders deutlich zu erkennen. Um den Effekt abzumildern, sollte die Blende etwas geöffnet werden.

Streulicht, Schleier, Reflexionen

Intensiver Lichteinfall direkt ins Objektiv kann dazu führen, dass sich in den Linsen selbst oder in den Räumen zwischen den Linsen Lichtreflexe bilden, die als Strahlenfächer oder Lichtfleck im Foto sichtbar werden. Im Objektiv selbst kann zudem Streulicht entstehen, wodurch der Bildkontrast erheblich herabgesetzt wird.

Objektivhersteller versuchen dem Phänomen mit speziellen Oberflächenbeschichtungen der Linsen entgegenzuwirken. Oft sind auch Verschmutzungen des Objektivs, insbesondere der Frontlinse, Ursache solcher Abbildungsfehler.

Zudem empfiehlt es sich, immer mit einer Streulichtblende (auch Gegenlichtblende genannt) am Objektiv zu arbeiten, die von der Seite einfallendes Licht abschirmt. Besonders bei Gegenlichtaufnahmen sollten Sie zudem auf zusätzliche Filter verzichten, da jeder zusätzliche Luft-Glas-Übergang Spiegelungen und damit Abbildungsfehler hervorrufen kann.