6. Wetterbedingungen

Ungetrübtes Sonnenlicht ist in Regionen wie Deutschland eher die Ausnahme. Meist wird das Sonnenlicht durch Wolken, Nebel oder Dunst beeinflusst. Je nach Wetterlage können sich die Lichtverhältnisse von der einen auf die andere Sekunde gänzlich ändern und ein lohnendes Motiv in ein einzigartiges oder ein langweiliges Motiv verwandeln. Bei schnell wechselnden Wetterbedingungen ist die Vorhersage der Lichtverhältnisse schwierig und verlangt viel Erfahrung. Häufig ist es reine Glückssache optimale Lichtverhältnisse für eine Aufnahme vorzufinden.

In diesem Abschnitt geht es darum, wie Wolken, Nebel und Dunst das Sonnenlicht beeinflussen.

Wolken

Je nach Form, Ausbreitung und Höhe unterscheiden Meteorologen die unterschiedlichsten Wolkenformen. Mindestens genauso vielfältig sind die Auswirkungen, die Wolken auf die Lichtverhältnisse haben können.

Zunächst wirken Wolken wie Diffusoren. Sie streuen das Sonnenlicht und mindern gleichzeitig dessen Intensität. Schatten und Schattenkanten werden dadurch weicher und können im Extremfall sogar ganz verschwinden. Wie stark das Licht gestreut wird, hängt von der Dichte der Wolke ab. Je dunkler eine Wolke erscheint, umso mehr wird das Licht gestreut und zurückgehalten. Der Helligkeitsunterschied beträgt nicht selten zwischen drei und vier Blendenstufen.

Darüber hinaus beeinflussen Wolken auch die Farbtemperatur des Lichts. Während die Farbtemperatur von direktem Sonnenlicht je nach Sonnenstand zwischen 5.000 und 6.000 K liegt, herrschen bei wolkigen Himmel Temperaturen zwischen 6.000 und 7.000 K vor.

Ist nicht der gesamte Himmel bewölkt, wirken einzelne Wolken wie Rektoren. Je heller eine Wolke ist, umso mehr Sonnenlicht wird von ihr reflektiert. Steht die Sonne dabei hoch am Himmel (etwa über 40°) beeinflusst das reflektierte Licht die Farbtemperatur kaum. Steht die Sonne jedoch tief über dem Horizont wird vor allem das rötliche Licht der Sonne reflektiert, wodurch oft dramatische Lichtverhältnisse entstehen können.

Geschlossene Wolkendecke

Einige Landschaftsfotografen meinen, bei einer geschlossenen, grauen Wolkendecke könne man getrost seine Kamera einpacken und nach Hause gehen. Eine geschlossene Wolkendecke reduziert nicht nur die Lichtintensität erheblich, sondern lässt Schatten in der Regel vollständig verschwinden. Ohne Schatten wirken Landschaftsaufnahmen oft flach und zweidimensional.

Zudem wird die Wolkendecke zur eigentlichen Lichtquelle. Das führt dazu, dass der Helligkeitsunterschied zwischen der Landschaft und dem Himmel meist den Dynamikumfang der Kamera übersteigt. Ist auf der Aufnahme der Himmel zu sehen, ist er in der Regel überbelichtet weiß. Zwar kann mit verschiedenen technischen Hilfsmitteln der Kontrastumfang zwischen Himmel und Landschaft bewältigt werden (siehe: Handbuch: Belichtung - Kontrast), ein grauer Himmel ist jedoch selten ein lohnendes Motiv.

Wer bei diesem Wetter seine Kamera allerdings nicht wegpacken möchte, kann sich auf Motive im Nah- oder Makrobereich konzentrieren. Hier lassen sich mit etwas Glück interessantere Strukturen und Muster finden, die auch ohne Schatten ein lohnenswertes Motiv sind.

Dramatischer Himmel

In der Regel bedarf es nur eines starken Windes, um aus einer langweiligen Wolkendecke einen dramatischen Himmel zu zaubern. Der Wind treibt die Wolken zu Haufen unterschiedlicher Dichte zusammen und reißt die Decke zum Teil sogar auf. Hierdurch erhält die Wolkendecke Struktur und es entstehen dramatische Lichtverhältnisse, die häufig nur für wenige Sekunden vorhanden sind.

Die größte Schwierigkeit bei diesen Wetterverhältnissen ist – neben der richtigen Kleidung – der Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Landschaft. Wie bei einer geschlossenen Wolkendecke wird hier der Dynamikumfang der Kamera oft überfordert sein. Hier leisten Grauverlaufsfilter wertvolle Arbeit. Ist kein Filter zur Hand, kann eine Aufnahme noch mit der DRI-Technik gerettet werden (siehe: Handbuch: Belichtung-Kontrast).

Bei einem aufziehenden Gewitter kann es jedoch auch vorkommen, dass die heranziehenden Wolken so dunkel sind, dass die im direkten Sonnenlicht liegende Landschaft zu hell ist. In Extremfällen kann es deshalb erforderlich sein, die Landschaft mithilfe eines Grauverlauffilters abzudunkeln.

Schönwetterwolken

Ziehen nur einzelne Wolken über den Himmel, beeinflussen sie vor allem als Reflektor die Lichtverhältnisse. Zudem können einzelne Wolken auch selbst zum Motiv werden.

Sind die Wolken Teil des Motivs, muss die Belichtung sorgfältig gemessen werden. Eine weiße Wolke sollte nicht als strukturloser weißer Fleck wiedergegeben werden. Interessant wird eine Wolke erst durch ihre Muster und Strukturen. Eine Belichtungsmessung mit dem Zonensystem kann hier zuverlässig zu guten Ergebnissen führen.

Dunst

Feuchtigkeit aber auch Schmutzpartikel in Ballungszentren bilden häufig einen feinen Dunst in der Atmosphäre. Sog. Inversionswetterlagen begünstigen diesen Effekt. Die Sonne ist hinter dem Dunst zwar noch deutlich zu erkennen, sie wirkt jedoch etwas fahl und milchig. Ihr Licht ist zwar immer noch gerichtet, es wird durch den Dunst jedoch stark gestreut, wodurch Schatten aufgeweicht werden. Zugleich nimmt der Kontrast zwischen Licht und Schatten deutlich ab.

Reicht der Dunst bis auf dem Boden, behindert er auch die Fernsicht. Nahe liegende Objekte sind zwar noch deutlich zu erkennen, mit zunehmender Entfernung verschwimmen Objekte jedoch zusehens im Dunst. Dieser Effekt lässt sich hervorragend nutzen, um in einer Aufnahme räumliche Tiefe darzustellen.

Steht die Sonne tief über dem Horizont, reflektiert der Dunst das rötliche Licht der Sonne, wodurch dramatische Farbeffekte entstehen.

Das weiche Licht eignet sich auch besonders für Portraitaufnahmen. Schatten laufen weniger zu und die Gefahr von Spitzlichtern ist geringer.

Besondere Sorgfalt muss aber auch bei dieser Wetterlage auf die Belichtungsmessung gelegt werden. Die Lichtstreuung führt dazu, dass oft ein erheblicher Helligkeitsunterschied zwischen dem dunstigen Himmel und der Landschaft besteht. Besonders problematisch sind Aufnahmen im Gegenlicht, da der Dunst hier selbst zu einer weiteren Lichtquelle wird.

Nebel

Nebel entsteht, wenn feuchte Luft in Bodennähe abkühlt. Im Gegensatz zum Dunst ist Nebel deutlich dichter, so dass meist die Sonne nicht mehr zu erkennen ist. Nebel erzeugt eine ganz eigentümliche Atmosphäre, die mit etwas Geschick auch auf einem Foto eingefangen werden kann.

Nebel führt zu einer starken Diffusion. Hierdurch nimmt der Kontrastumfang eines Motivs deutlich ab. Gleichzeitig ist die Fernsicht erheblich beeinträchtigt, so dass bereits ab wenigen Metern Objekte nur noch als Silhouette erscheinen. Auch die Farbwirkung wird durch Nebel beeinträchtigt, selbst kräftige Farben erscheinen wie Pastelltöne.

Aufgrund des reduzierten Kontrastumfangs ist die Belichtungsmessung im Nebel vergleichsweise einfach (siehe: Handbuch: Belichtung - Kontrast). Durch gezielte Unter- oder Überbelichtung haben sie oft die Möglichkeit, die Stimmung der Aufnahme zu beeinflussen. Vorsicht ist jedoch bei der Nachbearbeitung der Aufnahme geboten. Eine zu starke Erhöhung des Kontrastes kann die Wirkung des Nebels beseitigen.