3. Schatten

In vielen Lehrbüchern der Fotografie findet sich sinngemäß der Satz: Wer lernen will, Licht zu sehen, muss lernen, Schatten zu lesen.

Richtig ist an dieser Plattitüde, dass viele Eigenschaften des Lichts dem Licht selbst nicht anzusehen sind. Ob Licht hart oder weich, gerichtet oder diffus ist, wird erst erkennbar, wenn es auf ein Objekt trifft, das einen Schatten wirft. Und eben diese Schatten sind es, die oft entscheidend für die Qualität einer Aufnahme sind. Spricht ein Fotograf von Licht, meint der deshalb immer auch Schatten und umgekehrt.

Randschärfe

Ein erstes Kriterium zur Beurteilung eines Schattens ist der Übergang von Licht zu Schatten. Bei einem harten Schatten ist der Übergang abrupt. Der Schatten hat eine scharfe Grenze, die wie eine Linie wirkt. Die Umrisse des Objekts, das den Schatten wirft, werden vom Schatten erkennbar wiedergegeben. Bei weichen Schatten ist der Übergang von Licht zu Schatten fließend. An seinen äußersten Rändern ist der Schatten noch hell und wird erst allmählich zum Inneren hin dunkel. Hierdurch verliert der Schatten an Kontur, die Umrisse des schattenwerfenden Objekts sind meist nicht wiederzuerkennen.

Wie der Schatten eines Objekts aussieht, hängt entscheidend davon ab, wie groß die Lichtquelle im Vergleich zum Objekt ist.

Harte Schatten

Eine im Verhältnis zum beleuchteten Objekt kleine Lichtquelle (sog. Punktlicht) erzeugt hartes, gerichtetes Licht. Die Lichtstrahlen bereiten sich von der Quelle geradlinig aus. Ein größeres Objekt kann die Quelle vollständig abschirmen. Die Schatten des Objekts sind scharf und klar abgegrenzt, sie bilden die Umrisse des Objekts deutlich ab, sog. harter Schatten.

Entscheidend ist das relative Größenverhältnis zwischen Lichtquelle und Objekt. Eine große Lichtquelle wird mit zunehmendem Abstand zum Objekt immer kleiner. Die Sonne beispielsweise ist im tatsächlichen Vergleich zu allen Objekten auf der Erde riesig. Aufgrund der großen Entfernung zwischen Sonne und Erde ist direktes Sonnenlicht dennoch gerichtet wie das Licht einer Punktlichtquelle.

Harte Schatten sind sehr dunkel (Bild 1). Unter Laborbedingungen sind sie sogar tiefschwarz, da kein Licht in die Schatten gelangt. In der Praxis wird dies nur selten der Fall sein, da meist von anderen Objekten reflektiertes oder gestreutes Licht in die Schatten fällt (siehe unten: Kontrast). Dennoch ist der Helligkeitsunterschied (Kontrast) zwischen den Schatten und den beleuchteten Bildelementen sehr groß und führt zu entsprechenden Problemen bei der Belichtungsmessung.

Da harte Schatten sehr dunkel sind und klare Kanten haben, sind sie auch auf der Fotografie später meist deutlich zu erkennen. Sie können schnell stören, wenn bei der Bildgestaltung nicht auf sie geachtet wurde. Bewusst bei der Bildgestaltung berücksichtigt, können harte Schatten jedoch auch zu eigenständigen Bildelementen werden und so zum Erfolg einer Aufnahme beitragen.

Weiche Schatten

Eine im Verhältnis zum Objekt große Lichtquelle (sog. Flächenlicht) erzeugt diffuses, weiches Licht. Zwar breiten sich auch hier die Lichtstrahlen geradlinig von der Quelle aus, aufgrund der Größe der Lichtquelle überschneiden und überkreuzen sich die Strahlen jedoch. Ein Objekt kann an seinen Rändern nur einen Teil des Lichts abschirmen, während andere Lichtstrahlen das Objekt noch passieren. Die Schatten des Objekts sind an den Rändern deshalb unscharf. Der Übergang zwischen Licht und Schatten ist fließend. Nur in der Mitte ist der Schatten wirklich dunkel - wenn überhaupt. Es entsteht ein weicher Schatten.

In weichen Schatten ist in der Regel mehr Zeichnung zu erkennen als in harten Schatten. Aber auch bei ihnen kann der Kontrast so groß werden, dass in der Mitte des Schattens keine Zeichnung mehr zu erkennen ist (Bild 2).

Deutlicher sind die Unterschiede zwischen harten und weichen Schatten an den Rändern. Bei weichen Schatten verlaufen die Übergänge von Licht zu Schatten weich und allmählich. Deshalb sind weiche Schatten in der Aufnahme meist nicht so dominant. Sie sind weniger gegenständlich als harte Schatten, weil nicht mehr zu erkennen ist, welches Objekt den Schatten wirft. Dennoch können auch weiche Schatten zu störenden Bildelementen werden, wenn sie bei der Bildgestaltung nicht beachtet werden.

In der Praxis gibt es zahlreiche Techniken und Hilfsmittel, die Qualität des Lichts und damit auch der Schatten zu beeinflussen. Im Prinzip geht es dabei immer darum, die effektive Größe einer Lichtquelle im Verhältnis zum Motiv zu verändern.

Befindet sich beispielsweise zwischen einer kleinen Punktlichtquelle und dem Motiv ein diffus durchlässiger Stoff (sog. Diffusor), wird das gerichtete Punktlicht durch den Stoff gestreut. Der Stoff selbst wird quasi zu einer neuen größeren Lichtquelle, so dass das Motiv mit weichem Licht ausgeleuchtet wird. Nach diesem Prinzip arbeitet beispielsweise die Softbox im Fotostudio. Ein natürlicher Diffusor sind Wolken. Sie streuen das gerichtete Sonnenlicht und werden so an einem bewölkten Tag selbst zu einer riesigen Lichtquelle.

Beim indirekten Blitzen wird das gerichtete Licht eines kleinen Blitzgerätes nicht direkt auf das Motiv, sondern auf eine größere Fläche gerichtet, z.B. eine Zimmerdecke oder eine Wand. Das Blitzlicht wird von der Fläche reflektiert, die so quasi selbst zu einer größeren Lichtquelle wird und das Motiv mit weichem Licht ausleuchtet.

Kontrast

Ein zweites Kriterium zur Beurteilung der Schatten ist der Helligkeitsunterschied (Kontrast) zwischen den Lichtern und den Schatten. Dabei ist der Kontrast gleich in zweifacher Hinsicht für den Fotografen wichtig. Neben dem ästhetischen Aspekt, wie der Schatten aufgrund seines Kontrastes auf dem Foto wirkt, hat der Kontrast auch entscheidenden Einfluss auf die Belichtung der Aufnahme. Die Auswirkungen des Kontrastes auf die Belichtung sind im Kapitel "Belichtung: Kontrast" ausführlich behandelt.

In der Theorie müssten harte Schatten tiefschwarz sein. Aus der Praxis wissen wir jedoch, dass es im Schatten nie stockfinster ist. An einem sonnigen wolkenlosen Tag zeichnet das direkte Sonnenlicht harte Schatten; aber auch an einem solchen Tag können wir sehen, wenn wir uns im Schatten aufhalten. In die Schatten fällt zwar kein direktes Sonnenlicht, ein Teil des Sonnenlichtes wird von der Atmosphäre reflektiert (blauer Himmel) oder von der Erde, Gebäuden u.ä. und so in die Schatten umgeleitet. Die Schatten werden aufgehellt.

Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigt Bild 3. Die Lichtquelle ist wie im Bild 1 ein einziges Punktlicht. Im Bild 3 wird jedoch ein Teil des Lichts von einer weißen Fläche rechts neben dem Motiv reflektiert. Das reflektierte Licht gelangt auf diesem Umweg in die Schatten und hellt diese auf. Wenn Sie mit der Maus über Bild 3 fahren, sehen Sie die Aufnahme ohne Reflektor im direkten Vergleich.

Da nur ein Teil des Lichts von der Fläche reflektiert wird, können die Schatten nicht so hell ausgeleuchtet werden, wie die direkt beleuchteten Flächen. Die Schatten bleiben als Schatten erkennbar. Dennoch reicht das reflektierte Licht aus, den Kontrast zwischen Licht und Schatten deutlich zu verringern. Zudem nimmt mit zunehmendem Abstand zur Fläche die Stärke des reflektierten Lichts ab (umgekehrtes Quadratgesetz).

Der Helligkeitsunterschied zwischen Licht und Schatten hängt also nicht so sehr von der Größe der Lichtquelle ab, sondern vor allem davon, wie stark die Schatten aufgehellt werden. Das obige Beispiel eines Sommertags zeigt, dass es der Fotograf oft gar nicht beeinflussen kann, welche Objekte in einer Szene zur Aufhellung der Schatten beitragen. Umso wichtiger ist es, sich vor und während der Aufnahme der vorhandenen Schatten bewusst zu werden.

Natürlich kann man in geeigneten Fällen als Fotograf auch versuchen, mit entsprechenden Hilfsmitteln Schatten bewusst aufzuhellen. Im Grundsatz gibt es dabei zwei Möglichkeiten Licht in die Schatten zu bringen.

Die eine Möglichkeit ist, mit Hilfe sog. Reflektoren das vorhandene Licht so umzuleiten, dass es in die Schatten fällt (Bild 3). Der Fachhandel bietet eine große Auswahl unterschiedlichster Reflektoren in allen Größen an. Günstiger aber ebenfalls gut geeignet als Reflektoren sind weiße Bettlaken oder weiße Styroporplatten. Styroporplatten können zudem mit Alufolie (glatt oder per Hand zerknittert) bespannt werden, um den Charakter des reflektierten Lichts zu verändern.

Die Arbeit mit Reflektoren kann jedoch sehr umständlich sein, wenn Sie keinen Assistenten haben, den Sie mit dem Reflektor dirigieren können. Eine andere Möglichkeit ist dann die Verwendung einer zweiten Lichtquelle zum Aufhellen der Schatten (sog. Aufhelllicht oder Aufhellblitz). Sogar das in vielen Kameras integrierte Blitzlicht, das von vielen sonst verteufelt wird, kann als Aufhellblitz gute Dienste leisten. Gerade an sonnigen Tagen kann schon mit diesem kleinen Blitzgerät viel erreicht werden.

Richtung

Das dritte wichtige Kriterium zur Beurteilung der Schatten ist die Richtung, in die der Schatten fällt. Das hängt wiederum von der Richtung ab, aus der das Licht kommt. Schatten entsteht immer auf der der Lichtquelle abgewandten Seite eines Objekts. Diese Erkenntnis mag auf dem ersten Blick banal klingen. Für den Fotografen ist es aber ein entscheidender Schlüssel, sich darüber bewusst zu sein, dass der Stand der Lichtquelle für ihn insbesondere deshalb wichtig ist, weil dadurch die Lage der Schatten festgelegt wird.

Entscheidend ist der Stand der Lichtquelle relativ zum Motiv vom Aufnahmestandpunkt aus gesehen. Die Frage lautet also, ob sich die Lichtquelle rechts oder links, vor oder hinter, über oder unterhalb meines Motivs befindet, wenn ich mit meiner Kamera am Aufnahmestandpunkt stehe. Im dreidimensionalen Raum kann der Standpunkt der Lichtquelle sowohl horizontal (↔: rechts oder links sowie vor, neben oder hinter dem Motiv) als auch vertikal (↕: ober- oder unterhalb des Motivs) variieren.

Um den Stand der Lichtquelle möglichst genau angeben zu können, bietet es sich an, die horizontale und die vertikale Ausrichtung in Gradzahlen anzugeben.

Horizontal kann man sich einen Kreis vorstellen, mit dem Motiv im Mittelpunkt (Grafik links). Der Aufnahmestandpunkt liegt auf 0°. Mit aufsteigender Gradzahl geht es im Uhrzeigersinn einmal um das Motiv herum (45°: links vor dem Motiv; 90° links neben dem Motiv, 135°: links hinter dem Motiv, 180°: Gegenlicht, 225°: rechts hinter dem Motiv usw.).

Auch vertikal kann man sich einen Kreis um das Motiv herum vorstellen (Grafik rechts). Vertikal bedeuten 0°, dass sich die Lichtquelle auf gleicher Höhe mit dem Motiv befindet. Steigt die Lichtquelle hoch, nimmt die Gradzahl zu, bis bei 90° sich die Lichtquelle direkt über dem Motiv befindet. Sinkt die Lichtquelle auf der anderen Seite des Motivs wieder ab, nimmt auch die Gradzahl wieder ab. Befindet sich die Lichtquelle ausnahmsweise einmal unterhalb des Motivs (Unterlicht), wird dies mit einer negativen Gradzahl beschreiben, z.B. - 45°.

Selbst wenn ein Motiv nur durch eine einzige Lichtquelle ausgeleuchtet wird, sind unendlich viele Varianten denkbar. Nochmals größer werden die Möglichkeiten, wenn man bedenkt, dass auch die Lichtquelle selbst als Flächen- oder Punktlicht die Gestalt der Schatten beeinflusst.

Die folgende Animation soll nur eine kleine Auswahl möglicher Varianten zeigen. Wählen Sie zwischen Flächen- und Punktlicht und bestimmen Sie den Stand des Scheinwerfers:

40°↕
20°↕
0°↕
↔ 180°
↔ 0°
↔ 45°
↔ 135°
↔ 90°
↔ 225°
↔ 270°
↔ 315°

Beachten Sie auch, wie je nach vertikalem Stand der Lichtquelle die kleine mit einem hellen Tischtuch bedeckte Fläche ausreicht, die Schatten aufzuhellen. Besonders deutlich ist dieser Effekt bei Gegenlicht (↔ 180°).

Unterlicht

Liegt die Lichtquelle unterhalb des Motivs, kommt das Licht also von unten, spricht man von Unterlicht (↕ -15° oder kleiner).

Wir sind es gewohnt, dass Licht von oben auf ein Objekt fällt. Die Sonne steht über uns am Himmel, Lampen werden an der Zimmerdecke angebracht und selbst Stehlampen sind meist etwas erhöht. Dass ein Motiv von unten beleuchtet wird, ist eher ungewöhnlich und uns bestenfalls nur bei Gebäuden geläufig, die in der Nacht mit künstlichen Licht angestrahlt werden.

Unterlicht führt deshalb auch in der Fotografie zu ungewöhnlichen, oft sehr künstlich wirkenden Effekten. Werden Menschen von unten beleuchtet, hat dies meist einen dramatischen Effekt. Jeder kennt wohl den Trick, sich eine Taschenlampe unters Gesicht zu halten, um kleine Kinder zu erschrecken. Unterlicht kann aber auch die Stimmung einer Situation sehr gut verdeutlichen, wenn die Lichtquelle, z.B. eine Kerze, auf der Aufnahme zu erkennen ist.

Oberlicht

Kommt das Licht steil von oben, spricht man von Ober- oder Auflicht (↕ zwischen 60° und 90°).

Je höher eine Lichtquelle steht, umso kürzer werden die zur Seite fallenden Schatten. Die Schatten fallen stattdessen nach unten und können so auch das Motiv selbst beschatten, wie im Foto der Schirm der Mütze.

Oberlicht ist für Porträtaufnahmen in der Regel ungeeignet. In die Augenhöhlen sowie unterhalb von Nase und Kinn fallen Schatten, die ein Modell gradezu entstellen können. Selbst wenn die Schatten aufgehellt werden, wirken sie selten schmeichelhaft.

Die kurzen nach unten fallenden Schatten lassen zudem auf der Aufnahme kaum räumliche Tiefe erkennen. Deshalb wirken Landschaftsaufnahmen bei hohem Sonnenstand oft flach und zweidimensional.

Frontallicht

Ist die Lichtquelle ungefähr auf derselben Linie wie der Kamerastandpunkt, spricht man von Frontallicht (↔ zwischen 0° und 15° bzw. 345° und 360°)

Lange Zeit hat sich unter Fotografen der Merksatz gehalten, dass "Licht im Rücken" optimal zum Fotografieren sei. Dies mag in den Anfängen der Fotografie richtig gewesen sein, weil frontal auf das Motiv fallendes Licht eine maximale Lichtausbeute bei der Aufnahme garantiert. Dank lichtempfindlicher Filme und Kamerasensoren muss bei einer Aufnahme aber schon lange nicht mehr auf eine maximale Lichtausbeute geachtet werden.

Frontallicht lässt die Schatten von der Kamera weg nach hinten fallen, so dass sie auf der Aufnahme fast kaum noch zu erkennen sind. Je näher die Lichtquelle auch vertikal der Achse Kamera und Motiv kommt, umso weniger Schatten sind auf der Aufnahme sichtbar.
Ohne Schatten ist auf der Aufnahme aber auch keine räumliche Tiefe zu erkennen. Dennoch war in der Modefotografie Frontallicht, das das Gesicht eines (weiblichen) Modells schattenfrei ausleuchtete, lange Zeit sehr modern. Das Licht sollte das Modell makellos und vollkommen erscheinen lassen, was heute oft mit Photoshop bewerkstelligt wird.

Gut geeignet ist Frontallicht um kräftige bunte Farben noch stärker zum Leuchten zu bringen.

Gegenlicht

Beim Gegenlicht befindet sich die Lichtquelle hinter dem Motiv und wird von diesem ganz oder teilweise verdeckt (↔ um 180°).

Beim Gegenlicht fällt der Schatten des Motivs in Richtung der Kamera, so dass in der Regel vom Motiv nur die Umrisse vor hellem Hintergrund zu erkennen ist. Soll vom Motiv mehr als nur die Silhouette auf der Aufnahme zu erkennen sein, müssen die Schatten aufgehellt werden. Gegenlicht ist deshalb für den Fotografen auch eine technische Herausforderung, da er den hohen Kontrast zwischen den Lichtern und den Schatten in den Griff bekommen muss.

Streiflicht

Auch beim Streif- oder Kantenlicht befindet sich die Lichtquelle hinter dem Motiv (↔ zwischen 135° und 225°). Es beleuchtet jedoch noch eine in der Aufnahme erkennbare Kante des Motivs, es streift die Kante. Erkennbar wird Streiflicht durch die hellen Lichtsäume entlang der Kante, die fast wie ein Heiligenschein wirken können. Insofern ist Streiflicht eines der wenigen Lichter, die nicht allein durch ihre Schatten in Erscheinung treten.

In der Studiofotografie wird Streiflicht oft als zusätzliches Effektlicht eingesetzt.

Seitenlicht

Kommt das Licht fast rechtswinklig von rechts oder links, spricht man von Seitenlicht (↔ um 90° bzw. 270°).

Seitenlicht eignet sich besonders um die Struktur einer Oberfläche zu betonen. Selbst kleinste Unebenheiten sind bei Seitenlicht auf der Aufnahme erkennbar und treten fast spürbar hervor.

In der Porträtfotografie ist Seitenlicht ein zweischneidiges Schwert. Wollen Sie ein markantes, vom Alter und harter Arbeit gezeichnetes Gesicht ablichten, wäre Seitenlicht die erste Wahl. Sie sollten dies jedoch vorher mit ihrem Modell abstimmen, denn nicht jeder möchte seine Falten schonungslos präsentiert bekommen.

Dreiviertellicht

Das Dreiviertellicht ist quasi ein Kompromiss zwischen Frontal- und Seitenlicht. Die Lichtquelle befindet sich vor dem Motiv, aber dennoch erkennbar auf einer Seite (↔ um 45° bzw. 315°).

Dreiviertellicht ist für viele Aufnahmesituationen durchaus ideal. Steht die Lichtquelle nicht zu hoch (↕ bis zu 40°), wirft das Motiv erkennbar seitliche Schatten, die auf der Aufnahme einen Eindruck von räumlicher Tiefe entstehen lassen. Da das Licht auch von vorne kommt, fällt meist auch auf die dem Licht abgewandte Seite des Motivs noch etwas Licht, so dass auch diese Seite auf der Aufnahme noch erkennbar ist.

Auf der anderen Seite ist Dreiviertellicht aber auch etwas langweilig. Dramatische Lichteffekte lassen sich in der Regel mit ihm nicht erzielen.