8. Blitzlicht

Eine spezielle für die Fotografie entwickelte künstliche Lichtquelle ist das Blitzlichtgerät. Anders als die in vorausgegangenen Abschnitt beschriebenen Lichtquellen gibt ein Blitz sein Licht nicht über einen längeren Zeitraum kontinuierlich ab, sondern leuchtet nur kurz für den tausendstel Bruchteil einer Sekunde. Daraus ergeben sich für den Fotografen eine Reihe von Besonderheiten, die er bei einer Aufnahme zu beachten hat. Der größte Nachteil des Blitzlichts ist, dass man den Einfluss des Blitzlichts auf die Lichtverhältnisse nicht schon vor der Aufnahme sehen kann. Es bedarf deshalb viel praktischer Erfahrung, um ein Blitzlichtgerät sicher einsetzen zu können.

Funktionsweise

Während in den Anfängen der Fotografie noch Magnesiumpulver in einer Pfanne abgebrannt wurde, um ein Blitzlicht zu erzeugen, kommen heute überwiegend Elektronenblitzgeräte zum Einsatz. Erst seit wenigen Jahren werden insbesondere in Fotohandys auch LEDs als Blitzgerät eingebaut.

Die heute gebräuchlichen Elektronenblitze sind wahre Hightech-Geräte. Trotz erheblicher Unterschiede in Ausstattung und Leistung arbeiten alle Geräte jedoch nach demselben Prinzip. Bei akku- bzw. batteriebetriebenen Geräten wird zunächst mit einer elektronischen Schaltung, dem so genannten "Zerhacker", aus dem Gleichstrom des Akkus mit niedriger Spannung Wechselstrom mit hoher Spannung erzeugt. Da die Stromstärke noch nicht ausreichend ist, um ein helles Blitzlicht zu erzeugen, muss der Strom in einem Kondensator "angespart" werden. Das Aufladen des Kondensators ist bei vielen Blitzgeräten als ein leichtes Summen zu hören. Ist genügend Strom angespart, wird beim Auslösen in einer Blitzröhre für kurze Zeit ein Lichtbogen erzeugt. Die Blitzdauer beträgt meist 1/1000 Sekunde oder weniger.

Blitzsysteme

Die Angebotspalette moderner Blitzgeräte ist riesig. Zur besseren Übersicht können jedoch verschiedene Gerätetypen unterschieden werden.

Kamerablitz

Fast in allen für den Konsumentenbereich konzipierten Kameras ist heute ein kleines Blitzgerät eingebaut. Erst bei Profigeräten sucht man einen solchen eingebauten Blitz meist vergeblich. Dieses mag ein Grund dafür sein, warum der eingebaute Blitz bei vielen Hobbyfotografen verpönt ist.

Von diesen kleinen Blitzgeräten darf man allerdings auch keine Wunder erwarten. Sie haben meist nur eine sehr begrenzte Leistung. Da sie in der Kamera eingebaut sind, sind sie sehr nah an der optischen Achse zwischen Motiv, Objektiv und Sensor angeordnet. Dies führt zu einer frontalen Ausleuchtung des Motivs, was auf einem Foto nur selten ansprechend wirkt. Zudem ist die Gefahr sehr groß, dass das Phänomen rot leuchtender Augen auftritt.

Auf der anderen Seite steht ein kamerainterner Blitz immer zur Verfügung. Trotz – oder gerade wegen – seiner begrenzten Leistung kann er als Aufhellblitz wertvolle Dienste leisten (siehe unten: Praxis).

Systemblitz

An den meisten Kameras befindet sich eine technische Vorrichtung zur Befestigung eines externen Blitzgeräts, der sog. Blitzschuh. Externe Blitzgeräte sind gegenüber dem Kamerablitz deutlich leistungsfähiger. Da sie auf der Kamera montiert sind, haben sie auch einen größeren Abstand zur optischen Achse von Motiv, Objektiv und Sensor.

Der Blitzschuh dient allerdings nicht allein der Befestigung des Blitzgerätes, sondern verfügt über weitere elektronische Kontakte, die eine Kommunikation zwischen Blitzgerät und Kamera möglich machen. Auf diese Weise wird es möglich, dass die Kameraelektronik die Steuerung des Blitzes übernimmt.

Leider ist zwar die Form des Blitzschuhs, nicht aber die Elektronik standardisiert. Dieses führt dazu, dass meist nur ein Systemblitz des Kameraherstellers mit der Kamera verwendet werden kann. Der Blitzgerätehersteller Metz hat deshalb bis vor Kurzem für seine Blitzgeräte ein eigenes Adaptersystem verwendet. Für fast jede Kombination aus Blitzgerät und Kamera gab es einen passenden Adapter. Sollte ein Blitzgerät an einer anderen Kamera verwendet werden, musste lediglich der Adapter gewechselt werden.

Je nach Ausstattung bieten Systemblitze weitere Vorteile, z.B. einen schwenkbaren Blitzkopf, mit dem indirektes Blitzen möglich wird. Einige Geräte passen zudem den Lichtkegel des Blitzes der Brennweite des verwendeten Objektivs an. In der Tele-Einstellung kann dadurch die Reichweite des Blitzlichts deutlich erweitert werden.

Studioblitz

Noch leistungsstärker sind die in Fotostudios zum Einsatz kommenden Blitzanlagen. Sie arbeiten unabhängig von der Kamera. Da die Geräte in der Anschaffung vergleichsweise teuer sind und nicht jeder Platz für ein eigenes Fotostudio hat, wird ihre Verwendung wohl nur den ambitionierten Amateurfotografen und Profifotografen vorbehalten bleiben.

Die Arbeit mit Studioblitzgeräten unterscheidet sich sehr von der mit Kamera- oder Systemblitzgeräten und wird hier deshalb vernachlässigt.

Blitzsynchronisationszeit

Ein Elektroblitz leuchtet nur für etwa 1/1000 Sekunde auf. Wird die Belichtung des Sensors - wie bei Spiegelreflexkameras üblich - durch einen mechanischen Schlitzverschluss gesteuert, kann dies zu ganz praktischen Problemen führen.

Digitale Spiegelreflexkameras steuern – wie bereits ihre analogen Vorgänger – die Belichtungszeit durch einen sog. Schlitzverschluss. Dabei bewegen sich zwei Vorhänge vor dem Sensor und decken diesen ab bzw. geben ihn frei. Der Kamerasensor wird durch einen ersten Vorhang abgedeckt, der zur Belichtung zur Seite geschoben wird. Am Ende der Belichtungszeit schiebt sich ein zweiter Vorhang vor den Sensor und deckt ihn wieder ab (siehe Kasten). Bei sehr kurzen Belichtungszeiten beginnt der zweite Vorhang den Sensor bereits wieder abzudecken, bevor der erste Vorhang den Sensor vollständig freigelegt hat. Die Belichtung des Sensors erfolgt nicht im Ganzen auf einmal, sondern durch einen schmalen Schlitz zwischen den Vorhängen, der über den Sensor läuft.

Damit ein nur 1/1000 Sekunde aufleuchtender Blitz den Sensor richtig belichten kann, muss der Sensor beim Auslösen des Blitzes vollständig frei sein. Die kürzeste Belichtungszeit, bei der der Sensor vollständig freigelegt ist, bei der der zweite Vorhang den Sensor also erst wieder bedeckt, nach dem der erste Vorhang am anderen Ende angekommen ist, wird Blitzsynchronisationszeit oder auch X-Synchronisationszeit genannt. Die Blitzsynchronisationszeit liegt je nach Kameramodell zwischen 1/160 und 1/250 Sekunde.

Digitale Kompaktkameras haben in der Regel keinen mechanischen Verschluss vor dem Kamerasensor. Die Belichtungszeit wird bei ihnen über die Elektronik des Sensors selbst geregelt. Auch bei sehr kurzen Belichtungszeiten wird immer der gesamte Sensor belichtet. Deshalb muss bei Kompaktkameras in der Regel keine Blitzsynchronisationszeit beachtet werden.

High-Speed-Synchronisation (HSS)

Moderne Systemblitze bieten zum Teil die Möglichkeit, Blitzlicht auch mit Belichtungszeiten zu nutzen, die kürzer als die Blitzsynchronisationszeit der Kamera sind, die sog. High-Speed-Synchronisation (HSS). Um dies zu ermöglichen, wird die Leuchtdauer des Blitzes verlängert. Statt nur für 1/1000 Sekunde aufzuleuchten, gibt das Blitzgerät während der gesamten Belichtungszeit (z.B. 1/500 Sekunde) Licht ab.

Die längere Leuchtdauer des Blitzes geht allerdings zu Lasten der Leistung. Das länger leuchtende Blitzlicht erreicht nicht dieselbe Helligkeit wie ein Blitz, bei dem in kürzest möglicher Zeit sämtliche im Kondensator angesammelte Energie in Licht umgewandelt wird.

Belichtung

Blitzlicht unterliegt den gleichen physikalischen Gesetzen wie Dauerlicht. Da es jedoch nur für den Bruchteil einer Sekunde aufleuchtet, sind beim Fotografieren mit Blitzlicht einige Besonderheiten zu beachten. Neben der Blendenöffnung und der Belichtungszeit ist bei der Arbeit mit Blitzlicht auch die Entfernung zwischen Blitzgerät und Objekt sowie die Leistung des Blitzgeräts von entscheidender Bedeutung.

Kurzzeitsynchronisation

Ein Blitzgerät liefert innerhalb von 1/1000 Sekunde die gesamte für die Aufnahme notwendige Lichtmenge. Deshalb ist (theoretisch) eine längere Belichtungszeit nicht notwendig (siehe aber oben: Blitzsynchronisationszeit). Ist die Belichtungszeit nur unwesentlich länger, reicht das ansonsten vorhandene Licht nicht aus, die Belichtung der Aufnahme zu beeinflussen.

Deshalb ist es bei einer Blitzaufnahme in der Regel unerheblich, ob an der Kamera eine Belichtungszeit von 1/60, 1/120 oder 1/200 Sekunde eingestellt wird. Das ausgeleuchtete Objekt wird richtig belichtet dargestellt, während der Hintergrund im unterbelichteten Schwarz versinkt. Solange die Belichtungszeit so kurz gewählt ist, dass das Umgebungslicht die Belichtung des Sensors noch nicht beeinflussen kann, hat die an der Kamera eingestellte Belichtungszeit keine weitergehenden Einfluss auf die Belichtung des Sensors.

Langzeitbelichtung

Wird die an der Kamera eingestellte Belichtungszeit auf das Umgebungslicht abgestimmt, bestimmen sowohl das Blitz- als auch das Umgebungslicht die Belichtung des Sensors. Das Umgebungslicht sorgt dafür, dass die gesamte Aufnahmeszene im Foto wiedergegeben wird, während das Blitzlicht ein bestimmtes Objekt gezielt ausleuchtet. Da das Blitzlicht nur für den Bruchteil einer Sekunde aufleuchtet, wird das Objekt auch nur für diesen Zeitraum zusätzlich beleuchtet. Trotz langer Belichtungszeit kann auf diese Weise bei beweglichen Objekten durch das Blitzlicht die Bewegung eingefroren werden (siehe: Blitzpraxis).

Entfernung zwischen Blitzgerät und Motiv

Blende und Blitzleistung waren auf den Elch in der Mitte ausgerichtet. Der Plüschhund im Vordergrund ist aufgrund des geringen Abstands zum Blitzgerät überbelichtet bzw. überblitzt. Der Teddy im Hintergrund ist zwar noch zu erkennen aber deutlich dunkler als in der Realität.

Auch für das Blitzlicht gilt das umgekehrte Quadratgesetz. Danach führt eine Verdoppelung der Entfernung zum Blitzgerät zu einer Verringerung der Lichtmenge auf ein Viertel. Das führt dazu, das Blitzlicht auf geringe Entfernung sehr hell ist, mit zunehmendem Abstand jedoch immer schwächer wird. Je weiter also ein Objekt vom Blitzgerät entfernt ist, umso weniger Licht kommt dort an. Deshalb sind bei Blitzlichtaufnahmen häufig Objekte im Vordergrund überbelichtet, während Objekte im Hintergrund unterbelichtet werden.

Wie viel von dem nur kurz aufleuchtenden Blitzlicht während der Belichtung auf den Kamerasensor gelangt, kann durch die Wahl der Blendenöffnung beeinflusst werden. Ist die Blendenöffnung sehr groß (kleine Blendenzahl) gelangt viel Licht auf den Kamerasensor. Ist die Blendenöffnung hingegen klein (große Blendenzahl) gelangt wenig Licht auf den Kamerasensor.

Da mit zunehmendem Abstand zwischen Blitzgerät und Objekt die Lichtleistung weiter abnimmt, muss die Wahl der Blendenöffnung auf eben diese Entfernung abgestimmt werden. Ist ein Objekt weiter vom Blitzgerät entfernt, muss eine größere Blendenöffnung gewählt werden als bei einem Objekt, das sich näher am Blitzgerät befindet. Je weiter der Abstand zwischen Blitzgerät und Objekt ist, umso mehr muss die Blende geöffnet werden.

Leitzahl

Bei Kamera- und Systemblitzen wird in der Bedienungsanleitung immer auch eine Leitzahl (LZ) genannt. Je höher die Leitzahl eines Blitzgerätes ist, umso größer ist die Leistung des Gerätes.

Genau genommen beschreibt die Leitzahl jedoch nicht die Leistung des Gerätes. Die Leitzahl entspricht der Entfernung in Metern zwischen Blitzgerät und Objekt, bei der bei voller Blitzleistung und Verwendung einer Blendenöffnung 1.0 ein Objekt richtig belichtet wird. Sofern vom Hersteller nichts anderes angegeben wird, bezieht sich die Leitzahl auf eine Sensorempfindlichkeit von ISO 100.

Mithilfe der Leitzahl kann die erforderliche Blendenöffnung berechnet werden. Bei einem Blitzgerät mit der Leitzahl 36, einer Entfernung zum Objekt von 4,50 m und einer Sensorempfindlichkeit von ISO 100 müsste die Blende 8.0 gewählt werden (36/4,5). Bei einer Entfernung von 2,25 m müsste die Blende 16 gewählt werden (36/2,25). Würde Blende 11 gewählt werden, müsste sich das Objekt in einer Entfernung von 3,3 m befinden (3,3×11).

Blitzleistung

Viele Blitzgeräte bieten die Möglichkeit, die Blitzleistung zu reduzieren. Ist ein Objekt aufgrund der geringen Entfernung zum Blitzgerät bei voller Blitzleistung überbelichtet, muss nicht unbedingt die Blende weiter geschlossen werden, alternativ kann oft auch die Blitzleistung reduziert werden. Das Blitzgerät gibt dann weniger Licht ab.

Die Einstellung der Blitzleistung erfolgt entweder am Blitzgerät selbst oder über die Kameraelektronik.

Belichtungssteuerung

Bei der Arbeit mit Systemblitzgeräten gibt es unterschiedliche Wege der Belichtungssteuerung.

Manuelle Steuerung

Der aufwändigste Weg ist die manuelle Steuerung. Mithilfe der oben beschriebenen Leitzahl und der Entfernung zwischen Blitzgerät und Motiv kann die erforderliche Blendenöffnung errechnet werden. Bei Bedarf und Möglichkeit kann die Blitzleistung reduziert werden, um eine andere Blendenöffnung zu ermöglichen. Die Belichtungszeit wird entweder auf die Blitzsynchronisationszeit (Kurzzeitsynchronisation) oder auf das vorhandene Umgebungslicht abgestimmt (Langzeitsynchronisation).

Neben guten Leistungen im Kopfrechnen erfordert diese Methode jedoch auch die Fähigkeit, Entfernungen sicher abschätzen zu können. Ihr Vorteil ist, dass Sie alle Parameter der Belichtung selbst bestimmen.

TTL-Steuerung

Einfacher ist es, der Kameraelektronik die gesamte Rechenarbeit zu überlassen. Da Kamera und Blitzgerät miteinander kommunizieren können, kann die Kamera die Steuerung des Blitzgerätes übernehmen. Anhand der Fokuseinstellung wird die Entfernung zum Motiv berechnet und – je nach gewähltem Belichtungsprogramm – Blende, Belichtungszeit und Blitzleistung aufeinander abgestimmt.

Dabei geht die Kameraelektronik in aller Regel davon aus, dass das Blitzlicht die Hauptlichtquelle ist und führt eine Kurzzeitsynchronisation durch. Um eine Langzeitsynchronisation zu erzielen, muss bei einigen Kameramodellen das Belichtungsprogramm Blendenautomatik (Tv) gewählt werden, um eine entsprechend lange Belichtungszeit vorzugeben.

Die Kameraelektronik bietet oft auch die Möglichkeit, eine gezielte Über- oder Unterbelichtung des Blitzlichts herbeizuführen (sog. Blitzleistungskorrektur). Auf diesem Wege kann auch bei der TTL-Steuerung die Blitzleistung gezielt beeinflusst werden.

Steuerung durch Blitzgerät

Einige Blitzgeräte sich mit einem eigenen Belichtungsmesser ausgestattet und können die Belichtung selbst steuern. Dabei werden die für die richtige Belichtung notwendigen Daten, wie Blende, Brennweite und Motivabstand, entweder per Hand am Blitzgerät eingestellt oder von der Kamera automatisch übermittelt.

Der wesentliche Unterschied zu oben beschriebenen TTL-Steuerung ist, dass die Belichtung nicht durch das Objektiv der Kamera, sondern von einem eigenen Sensor im Blitzgerät gemessen wird.

Lichtqualität

Bei tiefstehender Sonne wirkt das Blitzlicht kälter als das Umgebungslicht.

Blitzgeräte sind vergleichsweise kleine Lichtquellen. Sie erzeugen deshalb hartes gerichtetes Licht. Blitzlicht wirft klar abgegrenzte, meist dunkle Schatten. Im Fachhandel ist diverses Zubehör erhältlich mit dem die Qualität von Blitzlicht beeinflusst werden kann, z.B. Diffusoren oder Rezeptoren.

Qualitativ brauchbare Blitzgeräte erzeugen weißes Licht mit einer Farbtemperatur von 5500-5600 K. Blitzlicht hat damit in etwa dieselbe Farbtemperatur wie direktes Sonnenlicht zur Mittagszeit. Im Fachhandel gibt es für viele Blitzgeräte Aufsätze, die wie ein Farbfilter die Farbe des Blitzlichts ändern können.