8. Programme

Um Ihre Aufnahmen am Computer betrachten oder bearbeiten zu können, benötigen Sie spezielle Software. Zum Lieferumfang aller Digitalkameras gehören meist mehrere unterschiedliche Programme, die zum Teil deutlich besser sind als ihr Ruf. Daneben gibt es zahlreiche Fotoprogramme von Drittanbietern in den unterschiedlichsten Preiskategorien oder auch kostenlos im Internet.

Ein Programm, mit dem alle Arbeiten rund um Ihre Fotografien erledigt werden können, gibt es leider (noch) nicht. Selbst sog. All-in-One-Programme wie Apple Aperture (nur für Mac) oder Adobe Photoshop Lightroom (für PC und Mac) schaffen dies nicht. Für spezielle Aufgaben bedarf es spezieller Software.

Einen Überblick über den Softwaremarkt zu gewinnen ist schwierig und für den Anfänger fast unmöglich. In schneller Folge werden immer mehr Programme oder neue Programmversionen auf den Markt geworfen. Als Orientierungshilfe will ich hier einen kurzen Überblick über die unterschiedlichen Kategorien der Fotosoftware geben.

Wer Geld in ein neues Programm investieren will, sollte vorher genau überlegen, wozu er die Software nutzen will und welche Funktionen er dafür benötigt. Vor dem Kauf sollten Sie zunächst eine kostenlose Testversion des Programms aus dem Internet herunterladen. So können Sie ohne finanzielles Risiko herausfinden, ob das Programm Ihren Ansprüchen genügt und problemlos auf Ihrem Rechner arbeitet.

Bildbrowser

Mit Hilfe eines Bildbrowser können Sie sich die in einem Ordner oder auf einer CD/DVD gespeicherten Bilddateien als Miniaturvorschau oder vergrößert anzeigen lassen. Sobald Sie einen Ordner mit Bilddaten anwählen, liest das Programm die vorhandenen Dateien und erzeugt zu jedem Foto eine Vorschau. Ein einfacher Bildbrowser ist auch der zu jedem Betriebssystem gehörende Dateibrowser.

Bildbrowser werden zahlreich angeboten, z.T. auch als kostenlose Freeware (z.B. externer Link Picasa von Google). Praktisch alle Browser unterstützen die Anzeige von Bildern im Format JPEG und TIFF (8-Bits-RGB). Wer auch eine Vorschau seiner RAW-Bilder haben möchte, wird meist auf einen kommerziellen Browser zurückgreifen müssen (z.B. externer Link ACDSee von ACD Systems). Informieren Sie sich jedoch vor dem Kauf genau, ob der Browser tatsächlich auch das von Ihrer Kamera erzeugte RAW-Format unterstützt.

Viele Browser ermöglichen auch das Bearbeiten und Durchsuchen von Metadaten. Auf diese Weise kann der Bildbrowser auch für die Verwaltung eines kleineren bis mittleren Bildarchivs genutzt werden (z.B. externer Link Photo Mechanic von Camera Bits).

Daneben bieten viele Bildbrowser oft noch einfache Funktionen zur Bildbearbeitung. Dieses mag im Einzelfall ganz nett sein, ersetzt jedoch kein echtes Bildbearbeitungsprogramm.

Bilddatenbanken

Einige kommerzielle Bildbrowser sind durchaus in der Lage, selbst größere Bildarchive komfortabel zu verwalten. Je größer das Archiv jedoch wird, umso lohnenswerter kann die Anschaffung eines Bilddatenbankprogrammes sein (z.B. externer Link Portfolio von Extensis).

Der Übergang vom (hochwertigen) Bildbrowser zum Datenbankprogramm ist fließend. Der entscheidende Unterschied ist, dass Bildbrowser Metadaten zu jedem Bild (zusätzlich) in einer eigenen Datenbank speichern, wodurch insbesondere die Suche und Filterung der Bilddaten erheblich vereinfacht und beschleunigt wird. Der Nachteil der Datenbank ist, dass Änderungen an den Bilddaten außerhalb des Programmes nicht unbedingt automatisch erkannt werden. Löschen Sie beispielsweise eine Bilddatei mit einem anderen Browser, bleiben die Informationen zu diesem Bild in der Datenbank meist erhalten.

Bildbearbeitungsprogramme

Um Ihre Aufnahmen zu bearbeiten, also zu verändern, benötigen Sie ein Bildbearbeitungsprogramm. Mit diesen Programmen können Fotos nicht nur optimiert, also z.B. Tonwertumfang, Kontrast, Farbsättigung, Bildschärfe u.v.m. verbessert werden. Bildbearbeitungsprogramme ermöglichen auch Bildmanipulationen oder Fotomontagen.

Bildbearbeitungsprogramme bearbeiten das digitale Rasterbild. RAW-Dateien müssen vor der Bearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm entsprechend konvertiert werden.

Der Platzhirsch unter den Bildbearbeitungsprogrammen ist zweifelsohne externer Link Photoshop von Adobe. Es gibt kaum eine Bearbeitungsfunktion, die dieses Programm nicht anbietet. Falls dies doch einmal vorkommen sollte, gibt es irgendeinen Drittanbieter, der ein passendes Plug-In anbietet, mit dem die Funktion in Photoshop integriert werden kann.

Der mit Abstand größte Nachteil von Photoshop ist sein Preis. Rund 1.000 € für die Standard-Vollversion wird nicht nur dem "Gelegenheitsknipser" den Atem stocken lassen. Eine preisgünstige Alternative ist externer Link Paint Shop Pro von Corel.

Für den Konsumentenbereich bietet Adobe ein gegenüber der Vollversion "abgespecktes" Programm an, externer Link Photoshop Elements für rund 100 €.

Dank Open-Source-Software geht es aber auch kostenlos. externer Link Gimp (GNU Image Manipulation Program) ist ein leistungsstarkes Bildbearbeitungsprogramm, das Sie kostenlos aus dem Internet herunterladen können. Es bietet fast alle Funktionen, die Sie für die gewöhnliche Bearbeitung Ihrer Fotos benötigen, sogar einen Kanalmixer für die gezielte Umwandlung von Farb- in Schwarzweißbilder. Einziger Wermutstropfen: Gimp arbeitet z.Zt. (Version 2.6) nur mit einer Farbtiefe von 8 Bits. Für eine hochwertige Bildbearbeitung ist dies zu wenig. Für den Einsteiger dürfte Gimp jedoch die Software der ersten Wahl sein (siehe: Dunkelkammer - Gimp).

RAW-Konverter

Bevor RAW-Dateien bearbeitet oder gedruckt werden können, müssen sie in ein Bildformat konvertiert werden. Diese Aufgabe übernehmen am Computer sog. RAW-Konverter. Diese Programme konvertieren aber nicht nur die Daten. Gleichzeitig bieten Sie mehr oder minder viele Möglichkeiten die Bilddaten zu bearbeiten, insbesondere Weißabgleich, Tonwertverteilung, Farben, Bildschärfe u.v.m. gezielt zu steuern.

Zum Lieferumfang einer Digitalkamera, die das RAW-Format unterstützt, gehört auch eine entsprechende Konvertierungssoftware des Kameraherstellers. Daneben gibt es Programme von Drittanbietern, die oft mehr Funktionen bieten. Teilweise sind die Bearbeitungsmöglichkeiten so umfassend, dass eine weitere Bildbearbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm gänzlich überflüssig wird.

Mit den oben genannten Bildbearbeitungsprogrammen Adobe Photoshop und Adobe Photoshop Elements erhalten Sie den RAW-Konverter Adobe Camera Raw (ACR). Das Programm wird gestartet, sobald Sie eine RAW-Datei in dem Bildbearbeitungsprogramm öffnen wollen. ACR erlaubt eine sehr gezielte und ausgewogene Bildbearbeitung, vergleichbar einem Bildbearbeitungsprogramm.

RAW-Konverter gibt es natürlich auch als eigenständige Stand-Alone-Programme wie z.B. externer Link Capture One von Phase One oder externer Link Bibble von Bibble Labs.

Präsentationsprogramme

Viele Bildbrowser und einige Bildbearbeitungsprogramme beinhalten mehr oder minder einfache Funktionen für die Präsentation ihrer Bilder, z.B. als Diashow. Wer jedoch eine professionelle multimediale Präsentation seiner Fotos wünscht, benötigt auch hierfür eine spezielle Software, z.B. externer Link Wings Platinum von Stumpfl.

All-in-One-Programme

Apple brachte im Dezember 2005 mit externer Link Aperture als erster ein Programm auf den Markt (nur für Mac), dass sich keiner der oben genannten Kategorien mehr zuordnen lässt. Einige Monate später zog Adobe mit externer Link Photoshop Lightroom nach (für PC und Mac).

Beide Programme sind sowohl Bilddatenbankprogramm, RAW-Konverter, Bildbearbeitungsprogramm als auch Präsentations- und Druckprogramm in einem. Sie bieten Datenbankfunktionen, mit denen sich selbst große Bildbestände professionell verwalten lassen. Der integrierte RAW-Konverter mit umfassenden Einstellungsmöglichkeiten bearbeitet nicht nur alle gängigen RAW-Formate, sondern gleichzeitig auch die üblichen Bildformate, wie JPEG und TIFF; er wird dadurch zu einem echten Bildbearbeitungstool. Schließlich bieten beide Programme noch professionelle Tools für die Ausgabe der Bilder als Diashow, als Druck oder im Web.

Beide Programme fassen die meisten Arbeiten des Fotografen sinnvoll und ergebnisorientiert zusammen, wodurch sie eine enorme Arbeitserleichterung schaffen.