8. Messmodi

Kamerainterne Belichtungsmesser arbeiten nach dem Prinzip der Objektmessung. Sie unterstellen, dass das angemessene Motiv neutral grau ist. Tatsächlich ist das aber praktisch nie der Fall. Motive sind in der Regel farbig und haben sowohl helle als auch dunkle Bereiche.

Dass der Belichtungsmesser dennoch in der Mehrzahl der Fälle akzeptable Werte für die Belichtung liefert, liegt an den zum Teil sehr komplexen Verfahren und Berechnungen der Messung. Höherwertige Kameras bieten die Auswahl zwischen verschiedenen Messmodi, bei denen auf sehr unterschiedlichen Wegen die Belichtung ermittelt wird. Jeder Modus hat seine eigenen Vor- und Nachteile.

Integralmessung

Fast das gesamte Bild wird gleichmäßig gemessen (Blau).

Die einfachste Form der Objektmessung ist die Integralmessung. Hier wird das gesamte Bildfeld oder zumindest ein großer Teil des Bildfelds angemessen. Es wird also nicht das reflektierte Licht eines einzelnen Gegenstandes, sondern (fast) des ganzen Motivs gemessen. Integral ist die Messung deshalb, weil jedes Motivdetail entsprechend seiner Größe und Helligkeit zum Resultat beiträgt. Gemessen wird die durchschnittliche Objekthelligkeit. Helle und dunkle Motivdetails gleichen sich so gegenseitig aus.

Es ist erstaunlich, wie häufig die durchschnittliche Objekthelligkeit eines Motivs dem genormten Grauwert von 18 % entspricht. Dennoch ist der Modus recht ungenau und deshalb heute kaum noch an einer Kamera zu finden.

Matrixmessung

Die Matrixmessung, auch Mehrfeld- oder Wabenmessung genannt, ist das modernste Verfahren der Belichtungsmessung. Bei ihr wird das gesamte Bildfeld in einzelne Felder aufgeteilt, für die die Belichtung jeweils einzeln integral gemessen wird. Anzahl, Anordnung und Größe der Felder kann von Kameramodell zu Kameramodell sehr unterschiedlich sein. Höherwertige Modelle verfügen meist über mehr Felder als einfachere Modelle.

Aus den einzelnen Messwerten der Felder ermittelt die Kameraelektronik dann eine Belichtungskombination für das gesamte Motiv. Wie die Elektronik dabei genau arbeitet, ist ein wohlgehütetes Betriebsgeheimnis der Kamerahersteller. Teilweise werden die Messergebnisse mit gespeicherten Vorgaben verglichen, um so typische Belichtungssituationen etwa bei Landschafts- oder Porträtaufnahmen zu erkennen und die Belichtung darauf abzustimmen. Häufig ist die Belichtungsmessung auch mit dem Messsensor des Autofokus verbunden; dem Messwert aus dem Feld, auf dem der Fokus liegt, wird dann ein besonderes Gewicht gegeben.

Die Qualität der Matrixmessung hängt sehr von der Güte der Kameraelektronik ab. Bei höherwertigen Modellen werden in der Mehrzahl der Fälle brauchbare Belichtungsergebnisse erzielt. Deshalb eignet sich dieses Messverfahren immer dann, wenn wie in der Sport- oder Reportagefotografie wenig Zeit für eine solide Belichtungsmessung bleibt.

Selbst die beste Matrixmessung ist aber nicht unfehlbar. In schwierigen Lichtsituationen - die fotografisch meist besonders reizvoll sind - kann es je nach Kameramodell früher oder später zu Fehlbelichtungen kommen. Da die Kameraelektronik die Messdaten je nach Modell und Situation sehr unterschiedlich verarbeitet, ist bei einer Matrixmessung die Prognose besonders schwierig, wann eine Belichtungskorrektur erforderlich ist.

Mittelbetonte Integralmessung

Die eingangs erwähnte reine Integralmessung wird heute praktisch nicht mehr angeboten. Als mittelbetonte Messung ist sie jedoch an vielen Kameras zu finden.

Bei der mittelbetonten Integralmessung wird auch (fast) das gesamte Bildfeld gemessen, den Messwerten im Bereich der Bildmitte wird jedoch ein stärkeres Gewicht beigemessen. Sie beeinflussen das Messergebnis stärker als die Messwerte am Bildrand. Helle oder dunkle Motivdetails an den Bildrändern führen deshalb nicht zwangsläufig zu einer falschen Belichtung.

Hierdurch wird dem Umstand Rechnung getragen, dass bildwichtige Elemente meist im Bereich der Bildmitte platziert werden. Sie sollen richtig belichtet werden. Fehlbelichtungen an den Bildrändern sind demgegenüber häufiger zu tolerieren. Es eignet sich deshalb z.B. besonders für Porträtaufnahmen, bei denen die Bildränder nicht vom Modell ablenken sollen.

Wie groß der Bereich in der Bildmitte ist, der die Messung maßgeblich beeinflusst, kann von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich sein. Das Messverfahren wird dennoch von vielen Fotografen bevorzugt, weil die Ergebnisse mit ein wenig Erfahrung gut berechenbar sind. Durch praktische Erfahrungen können diese Fotografen sehr zuverlässig einschätzen, ob die Ergebnisse der mittelbetonten Integralmessung eine passende Belichtung liefern oder ob wegen heller oder dunkler Motivteile eine Belichtungskorrektur erforderlich ist.

Selektiv- oder Spotmessung

Spotmessung
Nur ein kleiner Teil (Spot) in der Bildmitte wird gemessen.

Anstatt der Kameraelektronik das Anmessen einzelner Bildbereiche zu überlassen, kann dies bei höherwertigen Kameras auch vom Fotografen selbst in Handarbeit mit der Selektiv- oder Spotmessung durchgeführt werden. Bei diesem Messverfahren wird nicht das gesamte Bildfeld, sondern nur ein kleiner Teil meist in der Bildmitte gemessen. Bei der Selektivmessung ist dies ein Bereich von etwa 8 - 12 % des Bildfeldes, bei der Spotmessung nur ein kleiner Punkt von etwa 3 - 6 % des Bildfeldes. Handbelichtungsmesser bieten meist ein noch kleineres Bildfeldes für die Spotmessung.

Vor allem die Spotmessung ist hervorragend geeignet, auch aus größerer Entfernung einzelne Motivteile gezielt anzuvisieren und deren Helligkeit zu messen. Besonders einfach ist das Arbeiten mit der Spotmessung, wenn im Motiv ein Objekt mit 18 % Reflexion vorhanden ist, das gezielt angemessen werden kann.

Meist wird die Spotmessung jedoch für eine Mehrpunktmessung eingesetzt. Dabei werden nacheinander mindestens zwei Motivteile anvisiert und gemessen, nämlich der hellste und der dunkelste. Um beide Motivteile richtig zu belichten, wird die Belichtung nun auf den Mittelwert zwischen beiden Messergebnissen eingestellt. Je mehr Messpunkte berücksichtigt werden, desto zuverlässiger wird das Ergebnis.

Doch Vorsicht: Die Belichtungsskala ist nicht linear, sondern logarithmisch aufgebaut (siehe: Blende und Belichtungszeit). Der Mittelwert zwischen Blende 2.8 und 22 ist Blende 8.0 (und nicht 12.4); der Mittelwert zwischen den Belichtungszeiten 1/15 Sek. und 1/1000 Sek. ist 1/125 Sek. (und nicht 1/507 Sek.).

Durch das gezielte Anmessen einzelner Motivelemente mit dem Spotmesser kann die Belichtung sehr präzise bestimmt werden. Zudem kann auch die Helligkeitsverteilung (Tonwertverteilung) im Motiv bereits bei der Aufnahme gezielt beeinflusst werden. Bei schwierigen Lichtverhältnissen, insbesondere bei starken Kontrasten, bei denen die Matrixmessung überfordert ist, lässt sich oft nur so die passende Belichtung ermitteln (siehe auch Zonenmethode).

Andererseits ist die Form der Belichtungsmessung recht aufwendig und erfordert praktische Übung. Sie bietet sich zu Anfang nur für Motive an, bei denen Sie genügt Zeit für eine ausführliche Belichtungsmessung haben, z.B. bei Landschaftsaufnahmen, bei denen sich die Lichtverhältnisse nicht ständig ändern.