4. ISO-Wert

Wie viel Licht für die richtige Belichtung zum Sensor gelangen muss, hängt davon ab, wie viel Licht der Sensor zur Erfassung der Bilddaten benötigt. Durch die Einstellung des ISO-Werts an der Kamera kann die erforderliche Lichtmenge geregelt werden.

Da der ISO-Wert an einer Digitalkamera für jede einzelne Aufnahme ganz individuell eingestellt werden kann, ist in der Digitalfotografie die ISO-Einstellung das dritte Instrument zur Regelung der Belichtung. Sie steht fast gleichwertig neben der Blende-Zeit-Kombination.

ISO-Zahl

In der analogen Fotografie hing die für die Belichtung erforderliche Lichtmenge von der Lichtempfindlichkeit des verwendeten Films ab. Je empfindlicher der Film war, umso weniger Licht war für die Belichtung erforderlich.

Um die Lichtempfindlichkeit verschiedener Filme vergleichen zu können, wurden unterschiedlichste Empfindlichkeitsskalen entwickelt, z.B. DIN, ASA, GOST u.a. Die International Standardization Organization (kurz: ISO) kombinierte schließlich die ASA- und DIN-Skalen. Die vollständige Angabe ISO 100/21° setzt sich aus dem amerikanischen ASA-Wert 100 und dem deutschen DIN-Grad 21 zusammen. Inzwischen ist es üblich geworden, bei der Angabe der Lichtempfindlichkeit nicht mehr den kompletten ISO-Wert zu nennen, sondern nur noch die erste Zahl, z.B. ISO 100.

Die ISO-Skala reicht von 6 (extrem niedrigempfindlich) bis 6400 (extrem hochempfindlich). Da mit zunehmender Lichtempfindlichkeit immer weniger Licht für eine Aufnahme benötigt wird, die Belichtungszeit also verkürzt werden kann, wird in der analogen Fotografie statt von Lichtempfindlichkeit auch von Filmgeschwindigkeit gesprochen. Je höher die Lichtempfindlichkeit desto schneller der Film. Gängige Filmgeschwindigkeiten sind ISO 25, 50, 100, 200, 400, 800, 1600 und 3200.

Wichtig für das Verständnis der ISO-Zahl ist, dass ein Film mit doppelter ISO-Zahl doppelt so lichtempfindlich ist (+ 1 Stufe). Ein Film mit ISO 200 benötigte bei gleicher Belichtung also nur halb soviel Zeit wie ein Film mit ISO 100. Andererseits benötigt der ISO-200-Film doppelt soviel Licht wie ein Film mit ISO 400.

Sensorempfindlichkeit

Auch in der digitalen Fotografie wird die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors mit der ISO-Zahl angegeben. Jeder Kamerasensor besitzt eine Nominalempfindlichkeit bzw. Grundeinstellung, die meist bei ISO 100 liegt. Über die Kameraelektronik kann diese Einstellung bei Bedarf erhöht werden, teilweise bis ISO 1600 oder 3200.

Auch hier führt jede Verdoppelung der ISO-Zahl dazu, dass nur halb soviel Licht für die Belichtung benötigt wird. Allerdings bewirkt die Änderung der ISO-Einstellung nicht, dass sich die Lichtempfindlichkeit des Sensors tatsächlich ändert; die physikalischen Eigenschaften des Sensors können nicht verändert werden.

Digitalkameras realisieren die Erhöhung der Sensorempfindlichkeit durch eine Verstärkung der Signale des Sensors. Diese Signalverstärkung hat jedoch auch Grenzen und führt schnell zu sog. Bildrauschen. Bei digitalen Kompaktkameras wird Bildrauschen oft schon bei einer Sensorempfindlichkeit von ISO 200 sichtbar; wegen des größeren Sensors schaffen Spiegelreflexkameras rauscharme Aufnahmen meist bis ISO 400.

Praxis

Neben Blende und Belichtungszeit ist die ISO-Einstellung das dritte Instrument der Digitalkamera zur Steuerung der Belichtung. Ein hohe ISO-Einstellung kann selbst bei schwachen Lichtverhältnissen kurze Belichtungszeiten und/oder kleine Blendenöffnungen ermöglichen.

Ermittelt beispielsweise der Belichtungsmesser bei einem ISO-Wert von 100 und Blende 8.0 eine Belichtungszeit von 1/30 Sek. kann die Zeit bei ISO 200 und gleicher Blende auf 1/60 Sek., bei ISO 400 sogar auf 1/125 Sek. verkürzt werden. Oder es wird unter Beibehaltung der Belichtungszeit von 1/30 Sek. bei ISO 200 auf Blende 11, bei ISO 400 sogar auf Blende 16 abgeblendet.

Dieser Vorteil muss aber oft mit Abstrichen in der Bildqualität bezahlt werden, die durch Bildrauschen verursacht werden. Bei hohen ISO-Einstellungen kann das Bildrauschen so stark werden, dass die ganze Bildwirkung verloren geht. Kamerahersteller versuchen dem Rauschen u.a. auch mit einer sog. Rauschunterdrückung entgegen zu treten, bei der fehlerhafte Pixel im Bild wieder herausgerechnet werden. Zwar kann hierdurch das Rauschen effektiv beseitigt werden, gleichzeitig leidet hierdurch aber auch die übrige Bildqualität, insbesondere die Bildschärfe. Die gleichen Probleme treten auf, wenn Sie in der Bildnachbearbeitung das Rauschen entfernen wollen (siehe Dunkelkammer: Bildrauschen entfernen).

Ab welcher ISO-Einstellung Bildrauschen störend wird, kann je nach Kameramodell sehr unterschiedlich sein. Im Interesse der Bildqualität sollte soweit möglich mit niedrigen ISO-Einstellungen gearbeitet werden. Als grober Richtwert gilt bei Kompaktkameras ISO 200 als Obergrenze für rauscharme Aufnahmen, bei Spiegelreflexkameras mit größerem Sensor ISO 400. Im Zweifel hilft hier nur ein Praxistest mit der eigenen Kamera.