3. Blende und Belichtungszeit

Das Prinzip der Belichtung hat sich seit dem Beginn der Fotografie nicht verändert: Durch eine Öffnung im Objektiv, die Blende genannt wird, wird Licht für eine bestimmte Zeit zu einem lichtempfindlichen Medium durchgelassen. Selbst modernste Digitalkameras arbeiten nach diesem Prinzip. Allein der bisher übliche Film wurde durch den Kamerasensor ersetzt.

Blendenöffnung

Die Blende ist die Öffnung im Objektiv, durch die das Licht zum Kamerasensor gelangt. Die Größe der Öffnung entscheidet, wie viel Licht in einer bestimmten Zeit auf den Sensor fällt und ihn belichtet. Je größer die Blendenöffnung ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Blendenöffungen von 1.4 bis 16Die Größe der Blendenöffnung kann meist durch Lamellen verändert werden. Sie wird durch die Blendenzahl angegeben, die am Objektiv oder an der Kamera eingestellt werden kann. Genau genommen wird die Größe der Blendenöffnung durch einen Bruch beschrieben, z.B. f/2.8, wobei f für Brennweite steht (siehe: rechter Kasten). Es hat sich jedoch durchgesetzt als Blendenzahl nur den Divisor (Nenner) zu nennen, also 2.8.

Da die Blendenzahl nur der Nenner einer Bruchzahl ist, kommt es zu einer gewöhnungsbedürftigen Besonderheit: Je größer die Blendenzahl ist, umso kleiner ist die Öffnung der Blende. Die Öffnung der Blende 2.8 ist größer als die der Blende 5.6.

kleine Blendenzahl = große Blendenöffnung
große Blendenzahl = kleine Blendenöffnung

Noch komplizierter wird der Umgang mit Blendenzahlen dadurch, dass sie nicht linear ansteigen. Eine typische Reihe Blendenzahlen von großer zu kleiner Blendenöffnung ist z.B.: 1.4 - 2 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22.

Man kann sich diese Reihe auch als Treppe vorstellen. Jede Stufe aufwärts auf der Treppe (z.B. von 2.8 zu 4) führt zu einer Halbierung der einfallenden Lichtmenge, das Bild wird also dunkler. Jeder Stufe abwärts auf der Treppe (z.B. von 8 zu 5.6) führt zu einer Verdoppelung der Lichtmenge, das Bild wird heller.

Bei den meisten Kameras bzw. Objektiven kann die Blendenöffnung in Schritten von je einer halben Stufe, bei einigen sogar von je einer drittel Stufe eingestellt werden (siehe Objektiv: Blende).

Belichtungszeit (Verschlussgeschwindigkeit)

Neben der Größe der Blendenöffnung ist die Zeit, die der Sensor belichtet wird, dafür verantwortlich, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Je länger der Sensor belichtet wird, umso größer ist die Lichtmenge. Jede länger die Belichtungszeit, desto heller wird also das Bild und umgekehrt je kürzer die Belichtungszeit, desto dunkler wird das Bild.

Auch die Belichtungszeit ist an der Kamera in Stufen einstellbar. Sie wird meist in Sekunden und Bruchteilen von Sekunden angegeben. Übliche Verschlusszeiten sind beispielsweise in Sekunden: 1 – 1/2 – 1/4 – 1/8 – 1/15 – 1/30 – 1/60 – 1/125 – 1/250 – 1/500 – 1/1000. Jede Verdopplung der Belichtungszeit führt zu einer Verdopplung der Lichtmenge (= eine Stufe) und umgekehrt.

Wie bei der Blendenzahl kann die Belichtungszeit an den meisten Kameras in Schritten von je einer halben Stufe, bei einigen sogar von je einer drittel Stufe eingestellt werden.

Blende-Zeit-Kombination

Die Menge des Lichts, die zum Sensor durchgelassen wird, wird durch eine Kombination aus Blendenöffnung und Belichtungszeit bestimmt. So kann die Blende weit geöffnet und dafür die Belichtungszeit verkürzt werden oder umgekehrt.

Das Zusammenspiel von Blendenöffnung und Verschlusszeit kann man sich wie das Prinzip des Wasserhahns vorstellen. Wird der Hahn nur so weit geöffnet, dass das Wasser tropft, dauert es Stunden bis ein Eimer gefüllt ist. Wird der Hahn jedoch voll aufgedreht, ist der Eimer schon nach wenigen Sekunden gefüllt. Vergleichbar funktioniert die Kamera: Je größer die gewählte Blendenöffnung, desto weniger Zeit ist erforderlich, um den Sensor richtig zu belichten. Umgekehrt gilt, je länger der Sensor belichtet wird, umso kleiner ist die erforderliche Blendenöffnung.

Diese Wechselwirkung führt dazu, dass die richtige Belichtung immer mit einer Vielzahl von Blende-Zeit-Kombinationen erreicht werden kann. Die Kombinationen Blende 2.8 bei 1/1000 Sek., Blende 4 bei 1/500 Sek., Blende 8 bei 1/125 Sek. und Blende 22 bei 1/15 Sek. lassen alle die gleiche Menge Licht zum Sensor.

Lichtwert (LW)

Da verschiedene Blende-Zeit-Kombinationen zu der selben Belichtung führen können, geben z.B. einige Handbelichtungsmesser statt der Kombination den sog. Lichtwert (LW) bzw. Exposure Value (EV) an. Anhand der nebenstehenden Tabelle kann die zum Lichtwert passende Blende-Zeit-Kombination gewählt werden.

Alle Kombinationen mit dem gleichen Lichtwert führen zur selben Belichtung. Wird der Lichtwert um eine ganze Zahl erhöht, verdoppelt sich die Lichtmenge bei der Belichtung (+ 1 LW). Wird der Lichtwert um einen ganzen Wert reduziert, halbiert sich die Lichtmenge entsprechend (-1 LW). Ein Lichtwert entspricht also einer Stufe.

Lichtwerte für ISO 100
Blendenzahl
Sek. 1 1.4 2 2.8 4 5.6 8 11 16 22 32 45 64
60 -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6
30 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7
15 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8
8 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9
4 -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
2 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
1/2 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
1/4 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
1/8 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
1/15 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1/30 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
1/60 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
1/125 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
1/250 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
1/500 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21
1/1000 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
1/2000 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23
1/4000 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24
1/8000 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25

Anmerkung:
Lichtwerte gelten immer für einen bestimmten ISO-Wert. Wird an der Kamera die ISO-Einstellung geändert, ändern sich auch die Lichtwerte. Die Kombination von Blende 5.6 und 1/15 Sek. steht bei ISO 100 für den Lichtwert 9. Bei ISO 200 ergibt die gleiche Blende-Zeit-Kombination den Lichtwert 8.