5. Belichtungssteuerung

Die richtige Belichtung der Aufnahme kann mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kombinationen aus Blende, Belichtungszeit und ISO-Einstellung erreicht werden. Die Entscheidung für eine der möglichen Kombinationen ist oft entscheidend für den Erfolg der Aufnahme.

Blenden-, Zeit- und ISO-Einstellungen wirken sich jeweils unmittelbar auf das Bildergebnis aus. Je nach Situation und Motiv kann mal die eine, mal die andere Bildwirkung wichtiger sein und die Wahl der Belichtungseinstellungen beeinflussen.

Blende

Zerstreuungskreis: Ein auf ein nahes Objekt (blau) fokussiertes Objektiv bildet weiter entfernte Punkte (rot) als eine Lichtscheibe ab (sog. Zerstreuungskreis).
Bei geschlossener Blende verengt sich die Lichtscheibe und erscheint schärfer.

Die Blendenöffnung dient nicht allein der Regelung der Helligkeit der Aufnahme. Viel wichtiger für die Bildgestaltung sind die Auswirkungen, die die Blende auf die Gesamtschärfe der Aufnahme bei unterschiedlichen Motiventfernungen hat, die sog. Schärfentiefe.

Beim Fokussieren werden die optischen Elemente im Kameraobjektiv so gegeneinander verschoben, dass das anvisierte Motiv scharf auf dem Sensor abgebildet wird. Wie die Elemente verschoben werden müssen, hängt von der Entfernung des Motivs zur Kamera ab. Die Kameraoptik wird auf eine bestimmte Entfernung scharfgestellt. Bei einigen Objektiven kann diese Entfernung an einer Skala abgelesen werden. Einige Digitalkameras zeigen die Entfernung auch auf dem Kamerabildschirm an.

Auf dem späteren Foto werden aber nicht nur die Objekte scharf zu erkennen sein, die sich exakt in der eingestellten Entfernung zur Kamera befanden, sondern auch solche, die ein wenig näher oder weiter entfernt von der Kamera waren. Der Bereich vor und hinter der sog. Fokusebene, in dem Objekte auf dem Foto noch scharf wiedergegeben werden, wird Schärfentiefebereich genannt. Anders ausgedrückt ist die Schäfentiefe der Abstand zwischen dem am nächsten liegenden und dem an weitesten entfernten Motivelement, die im Foto noch annehmbar scharf wiedergegeben werden (siehe auch Objektiv: Blende).

Wie groß der Bereich der Schärfentiefe ist, hängt (für die Praxis etwas vereinfacht) von drei Faktoren ab: der gewählten Blende, der verwendeten Brennweite des Objektivs und der Entfernung zwischen anvisiertem Motiv und dem Kamerastandpunkt (Einzelheiten siehe Handbuch - Schärfe):

Tiefenschärfe bei unterschiedlicher Blende und Entfernung am Beispiel eines 50-mm-Objektivs.
  1. Je kleiner die Blendenöffnung (große Blendenzahl) ist, desto größer ist der Schärfentiefebereich; je größer die Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) ist, desto kleiner ist der Schärfentiefebereich. Die maximale Schärfentiefe erreichen Sie mit maximal geschlossener Blende; die geringste Schärfentiefe wird bei vollständig geöffneter Blende erreicht.
  2. Je länger die Brennweite des Objektivs, desto geringer seine Schärfentiefe. Umgekehrt erzielen Objektive mit kurzer Brennweite eine große Schärfentiefe. Maßgeblich ist dabei die tatsächliche Brennweite des Objektivs, nicht der auf das Kleinbildformat umgerechnete Wert. Der Kamerasensor vieler Digitalkameras ist kleiner als das Kleinbildformat. Es werden deshalb meist Objektive mit kürzerer Brennweite als beim Kleinbildformat verwendet, wodurch bei gleichem Bildausschnitt ein größerer Schärfentiefebereich erreicht wird.
  3. Die Schärfentiefe nimmt im Nahbereich ab und bei entfernten Motivelementen zu. Der Schärfentiefebereich liegt nur im Nahbereich in etwa zu gleichen Teilen vor und hinter der Fokusebene. Übersteigt die Motiventfernung das Zehnfache der Brennweite des Objektivs, liegt etwa ein Drittel des Schärfentiefebereichs vor und etwa zwei Drittel hinter der Fokursebene. Bei einem 100-mm-Objektiv ist dies z.B. ab einer Motiventfernung von 1 m der Fall. Im Makrobereich ist das Verhältnis genau umgekehrt.

Die Schärfentiefe ist ein sehr wichtiger Aspekt in der Bildgestaltung. Durch die gezielte Verteilung der Bildschärfe können Sie den Betrachter Ihrer Fotos gezielt zu ihrem Hauptmotiv hinleiten. Bei einem Porträt wollen Sie z.B. das Gesicht einer Person hervorheben. Durch die Wahl einer großen Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) können Sie den Schärfetiefebereich so gering halten, dass nur das Gesicht oder gar nur die Augen der Person scharf abgebildet werden. Störende Elemente im Hintergrund verschwimmen dadurch in Unschärfe und können sogar ganz verschwinden. Wollen Sie hingegen eine Landschaft so fotografieren und sowohl Elemente im Vordergrund als auch im Hintergrund scharf abbilden, benötigen Sie einen großen Schärfentiefebereich. Diesen werden sie meist nur mit einer fast geschlossenen Blende (große Blendenzahl) erreichen.

Für den Anfänger mögen sich die theoretischen Ausführungen sehr kompliziert anhören. Probieren Sie es aber einfach einmal aus, ein Motiv mit unterschiedlichen Blendeneinstellungen zu fotografieren. Ändern Sie anschließend auch einmal die Brennweite und den Motivabstand. Wenn Sie die Aufnahmen später am Computermonitor betrachten, achten Sie genau auf die Schärfenverteilung. Mit ein wenig Erfahrung und Praxis werden Sie schnell ein Gefühl für die Zusammenhänge von Blende, Brennweite, Motiventfernung und Bildschärfe entwickeln.

Wenn Sie bei digitalen Spiegelreflexkameras durch den optischen Sucher schauen, sehen Sie den Bildausschnitt bei vollständig geöffneter Blende (sog. Arbeitsblende). Erst nach dem Betätigen des Auslösers wird kurz vor der Aufnahme die Blende geschlossen. Um die Schärfentiefe durch den Sucher beurteilen zu können, müssen Sie die sog. Abblendtaste betätigen. Solange Sie die Taste gedrückt halten, wird die Blende auf den eingestellten Wert abgeblendet. Das kann bei kleiner Blendenöffnung aber auch dazu führen, dass das Sucherbild so dunkel wird, dass sie praktisch nichts mehr erkennen können.

An höherwertigen Objektiven findet sich oft eine sog. Schärfentiefeskala, mit der die Schärfentiefe ebenfalls beurteilt werden kann.

Für Unterwegs gibt es auch den mobilen Schärfetieferechner von unfoto.de. Einfach im Browser Ihres Handys die Adresse "www.helfer.unfoto.de" eingeben und den Schärfetieferechner auswählen.

Belichtungszeit

Auch die Belichtungszeit kann entscheidenden Einfluss auf die Bildschärfe haben. Genauer gesagt beeinflusst sie die Unschärfe, die durch Bewegungen des Motivs und/oder der Kamera während der Aufnahme auftreten kann.

Wenn Sie ein sich bewegendes Motiv aufnehmen wollen, z.B. spielende Kinder oder ein fahrendes Auto, so entscheidet die Belichtungszeit darüber, wie die Bewegung im Foto wiedergegeben wird. Mit einer sehr kurzen Belichtungszeit können Sie das Objekt fast wörtlich für den Bruchteil einer Sekunde festhalten; die Bewegung wird eingefroren. Solche Aufnahmen können sehr eindrucksvoll sein, weil sie oft Ansichten zeigen, die wir ohne die Fototechnik gar nicht wahrnehmen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die zahlreichen Aufnahmen eines Fußballspiels in der Sportberichterstattung.

Wie kurz die Belichtungszeit sein muss, um Bewegung einzufrieren, hängt von der Geschwindigkeit, der Bewegungsrichtung und der Entfernung des Objekts sowie von der verwendeten Brennweite ab. Je schneller sich das Objekt bewegt, um so kürzer muss die Belichtungszeit sein. Bewegt sich das Objekt quer von links nach rechts oder umgekehrt zur Kamera, muss die Verschlusszeit kürzer sein, als wenn sich das Objekt bei gleicher Geschwindigkeit zur Kamera hin oder von ihr weg bewegt. Schließlich muss die Verschlusszeit um so kürzer gewählt werden, je näher das Objekt an der Kamera ist. Bewegt sich das Objekt quer zur Kamera, hat auch die Brennweite entscheidenden Einfluss auf die Verschlusszeit, da mit zunehmender Brennweite der Bildausschnitt kleiner wird. Je länger die Brennweite, umso kürzer muss also die Verschlusszeit sein.

Oft bewegen sich auch Motive, bei denen man es eigentlich nicht erwarten würde. Bei einer Landschaftsaufnahme kann bereits ein leichter Wind Gräser und kleine Äste in Bewegung versetzen, die im Foto dann unscharf erscheinen. Achten Sie deshalb auch bei vermeintlich statischen Motiven darauf, ob sich nicht doch etwas bewegt und passen Sie die Belichtungszeit entsprechend an.

Das Einfrieren ist eine Möglichkeit der Darstellung von Bewegung im Foto. Eine andere ist es, Bewegung im Foto durch Unschärfe kenntlich zu machen. Bewegt sich ein Objekt während der Belichtungszeit, werden seine Konturen verwischt und es erscheint im Foto unscharf. Um diesen Effekt zu erreichen, muss die Verschlusszeit je nach Geschwindigkeit des Objekts entsprechend lang sein, damit das Objekt während der Aufnahme seine Position wechseln kann. Die in der Tabelle oben genannten Zeiten müssen also entsprechend verlängert werden. Je weiter sich das Objekt während der Aufnahme im Bildausschnitt bewegt, umso unschärfer wird es später wiedergegeben. Besonders eindrucksvoll können solche Aufnahmen sein, wenn die Umgebung (z.B. eine Einkaufsstraße) scharf wiedergegeben wird und das sich bewegende Objekt (z.B. ein Passant) nur als ein unscharfer Schatten erscheint.

Bei einer weiteren Technik zur Darstellung von Bewegung wird auch die Kamera während der Aufnahme bewegt. Durch die Bewegung der Kamera verändern die Objekte während der Aufnahme im Bildausschnitt ihre Position und werden ebenfalls unscharf wiedergegeben (sog. Verwackelungsunschärfe). Dieser Effekt wird beim sog. "mitziehen" gestalterisch genutzt. Dabei wird ein sich bewegendes Objekt während der Aufnahme mit dem Objektiv verfolgt, die Kamera wird mitgezogen.

Auch für das Mitziehen brauchen Sie je nach Geschwindigkeit des Objekts eine längere Belichtungszeit. Visieren Sie das Objekt mit der Kamera an und folgen Sie mit der Kamera der Bewegung, indem Sie ihren Oberkörper aus der Hüfte heraus mitdrehen. Nachdem Sie dem Objekt ein kurzes Stück gefolgt sind, drücken Sie den Auslöser und bewegen sich unverändert weiter bis die Belichtung abgeschlossen ist. Ein Einbeinstativ kann hierbei eine nützliche Hilfe sein.

Wenn es Ihnen gelingt, dem Objekt genau zu folgen, wird es im Foto relativ scharf wiedergegeben werden. Gleichzeitig wird jedoch die Umgebung im Foto verwischt erscheinen, wodurch ein sehr unmittelbarer Eindruck der Geschwindigkeit vermittelt werden kann.

Beim Mitziehen wird die Bewegung der Kamera während der Aufnahme bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt. In den meisten Fällen ist das Verwackeln wegen der dadurch verursachten Unschärfe jedoch unerwünscht. Um Bewegungen der Kamera während der Aufnahme auszuschließen, können Sie die Kamera auf ein solides erschütterungsfreies Stativ montieren und einen Draht- oder Fernauslöser benutzen. Bei einer Spiegelreflexkamera sollten Sie zudem die Spiegelvorauslösung aktivieren.

Nicht immer ist dieser Aufwand aber praktikabel oder erwünscht. Gerade Hobbyfotografen machen ihre Aufnahme fast ausschließlich aus der freien Hand. Bei Freihandaufnahmen ist eine Erschütterung der Kamera jedoch unvermeidbar. Damit diese minimalen Bewegungen der Kamera später nicht als Verwackelungsunschärfe im Foto sichtbar werden, muss bei Freihandaufnahmen mit sehr kurzen Belichtungszeiten gearbeitet werden. Welche Belichtungszeiten noch praktikabel sind, hängt von der verwendeten Brennweite des Objektivs ab.

In der analogen Kleinbildfotografie hat sich die Faustformel bewährt, dass die Belichtungszeit nicht länger als der Kehrwert der Brennweite in Sekunden sein sollte. Bei einem Objektiv mit 50 mm Brennweite sollte die Belichtungszeit also nicht länger als 1/50 Sek. sein, bei einer 100-mm-Brennweite nicht länger als 1/100 Sek. usw.

Eine Belichtungszeit von 1/20 Sek. bei einem 70-mm-Objektiv war hier eindeutig zu lang für eine verwackelungsfreie Freihandaufnahme und die Bewegung der Hunde.

Diese Faustformel kann auch der Digitalfotograf nutzen. Die meisten digitalen Kameras haben jedoch einen Sensor, der kleiner ist als das Kleinbildformat. Das führt dazu, dass bei gleicher Brennweite ein kleinerer Motivausschnitt aufgenommen wird als bei einer Kleinbildkamera. Der Bild- bzw. Aufnahmewinkel ist bei gleicher Brennweite kleiner. Um diese kleinere Aufnahme später z.B. als Papierabzug im Standardformat 10 x 15 cm auszugeben, muss die Aufnahme wieder stärker vergrößert werden als ein Kleinbildnegativ. Je stärker eine Aufnahme vergrößert wird, umso deutlicher wird jedoch auch die vorhandene Unschärfe.

Digitalfotografen sollten deshalb bei der Faustformel nicht die tatsächliche Brennweite ihres Objektivs zugrunde legen, sondern den mit Hilfe des Grib-Faktors ("Brennweitenverlängerung") errechneten kleinbildadäquaten Wert. Bei einer DSLR mit Halbformatsensor beträgt der Grib-Faktor beispielsweise 1,5. Bei Verwendung eines 50-mm-Objektivs entspricht der Aufnahmewinkel also dem eines 75-mm-Objektivs (50 x 1,5) an einer Kleinbildkamera. Die Belichtungszeit für eine Freihandaufnahme sollte deshalb nicht länger als 1/75 Sek. sein.

Inzwischen verfügen einige Objektive und viele Digitalkameras über einen optischen Bildstabilisator. Dieser gleicht mit Hilfe von beweglichen optischen Elementen kleinere Bewegungen der Kamera während der Aufnahme aus, wodurch das Bild ruhig und zentriert gehalten wird. Bei Verwendung eines Bildstabilisators kann die nach der Faustformel errechnete Belichtungszeit um ein bis zwei Belichtungsstufen verlängert werden.

ISO-Wert

Die Veränderung des ISO-Werts hat selbst keine unmittelbare Auswirkung auf die Aufnahme. Bei hohen ISO-Werten kommt es jedoch zu Bildrauschen, worunter die Bildqualität leidet. Wenn es also auf die bestmögliche Bildqualität ankommt, sollten Sie mit den niedrigsten ISO-Werten ihrer Kamera arbeiten.

Für Schnappschüsse oder Reportageaufnahmen aus der Hand empfiehlt sich an hellen Tagen eine ISO-Einstellung von 200. Diese Einstellung ermöglicht auch bei (halb) geschlossener Blende die für Freihandaufnahmen erforderlichen kurzen Belichtungszeiten. Gleichzeitig wird bei den meisten Spiegelreflexkameras das Bildrauschen noch nicht sichtbar, während es bei Kompaktkameras meist noch erträglich ist.

Für kürzeste Belichtungszeiten in der Action- und Sportfotografie werden meist noch höhere ISO-Einstellungen erforderlich sein. Hier hängt es von der jeweiligen Kamera und den eigenen Qualitätsansprüchen ab, ob trotz Bildrauschens ISO-Einstellungen zwischen 400 und 800 genutzt werden können.

In der Landschaftsfotografie ist es meist sinnvoll mit niedrigen ISO-Einstellungen zu arbeiten und wegen der längeren Belichtungszeiten ein Stativ zu verwenden. Landschaftsaufnahmen leben oft von kleinen Bilddetails, deren Wirkung durch Bildrauschen schnell zerstört wird.

Hin und wieder sind hohe ISO-Einstellungen jedoch unumgänglich. In solchen Situationen sollten Sie erwägen, Ihre Aufnahmen später in eine Schwarzweißaufnahme umzuwandeln (siehe Dunkelkammer: Schwarz/Weiß-Umwandlung). In Graustufenbildern wirkt Bildrauschen deutlich weniger störend und ähnelt mehr dem analogen Filmkorn.