7. Belichtungsmessung

Bislang ging es darum, wieviel Licht der Sensor für eine ausreichende Belichtung benötigt (ISO-Einstellung) und wie der Zufluss des Lichtes geregelt werden kann (Blende-Zeit-Kombination). Wieviel Licht tatsächlich während einer bestimmten Zeit und einer bestimmten Blendenöffnung bis zum Sensor gelangt, hängt aber entscheidend davon ab, wie viel Licht in einer Szene vorhanden ist. Bei einer dunklen Szene (z.B. eine Nachtaufnahme) brauchen Sie für die richtige Belichtung eine längere Belichtungszeit und/oder einer größere Blendenöffnung als bei einer hellen Szene (z.B. pralle Sonne). Wie viel Licht vorhanden ist, wird durch die Belichtungsmessung ermittelt.

Helligkeit

Wie viel Licht zum Fotografieren vorhanden ist (sog. Motivhelligkeit) hängt von zwei Faktoren ab:

Beleuchtungsstärke

Der erste Faktor ist natürlich die Stärke der Lichtquelle, mit der das Motiv ausgeleuchtet wird, sog. Beleuchtungsstärke.

Die Sonne beispielsweise ist eine sehr starke Lichtquelle. Ein Motiv im direkten Sonnenlicht wird entsprechend stark angestrahlt. Befindet sich das Motiv hingegen im Schatten, wird es nicht mehr direkt von der Sonne ausgeleuchtet, die Beleuchtungsstärke ist deutlich geringer. Noch geringer ist die Beleuchtungsstärke, wenn das Motiv allein von einer Glühlampe oder gar einer Kerze ausgeleuchtet wird.

Objekthelligkeit

Trotz gleicher Beleuchtung reflektiert der linke Hund mehr Licht als der rechte und ist deshalb heller.

Der zweite Faktor ist die Helligkeit des ausgeleuchteten Objekts selbst.

Genau genommen nehmen unsere Augen einen Gegenstand nicht selbst war, sondern wir sehen nur das von dem Gegenstand reflektierte Licht. Wie viel Licht ein Gegenstand reflektiert, hängt von seinen Reflektionseigenschaften ab, insbesondere von seiner Farbe und seiner Oberflächenstruktur. Ein dunkler Gegenstand reflektiert weniger Licht als ein heller Gegenstand, ein Gegenstand mit matter Oberfläche weniger als einer mit glänzender Oberfläche. Man spricht insoweit von Objekthelligkeit.

Messmethoden

Entsprechend der Unterscheidung zwischen Beleuchtungsstärke und Objekthelligkeit gibt es zwei unterschiedliche Methoden der Belichtungsmessung:

Lichtmessung

LichtmessungBei der Lichtmessung wird allein die Beleuchtungsstärke gemessen, also das auf ein Motiv fallende Licht.

Für die Lichtmessung wird ein zusätzlicher Handbelichtungsmesser mit einer Kalotte für die Lichtmessung benötigt. Der Belichtungsmesser wird vom Objekt aus in Richtung Kamera gerichtet. Durch eine Kalotte, eine milchig weiße Halbkugel vor der Messzelle des Belichtungsmessers, wird der Messwinkel auf rund 180° erweitert. Auf diese Weise kann das gesamte Licht aus dem Halbraum vor dem Objekt gemessen werden.

Die Lichtmessung liefert sehr zuverlässige Ergebnisse, da allein das einfallende Licht gemessen wird.

Auf der anderen Seite ist eine Lichtmessung nicht immer möglich, da sie direkt am Motiv erfolgen sollte. Wollen Sie z.B. einen durch eine kleine Wolkenlücke von der Sonne angestrahlten Berggipfel fotografieren, können Sie nicht erst Kilometer bis zum Gipfel fahren, um eine Lichtmessung vorzunehmen.

Zudem wird für die Lichtmessung ein zusätzlicher Handbelichtungsmesser benötigt.

Objektmessung

ObjektmessungUm den Kamerastandort für die Belichtungsmessung nicht verlassen zu müssen, wird deshalb meist eine Objektmessung vorgenommen. Bei der Objektmessung wird nicht die Beleuchtungsstärke gemessen, sondern der Lichtanteil, der vom Aufnahmeobjekt in Richtung Kamera reflektiert wird.

Die Objektmessung kann mit einem zusätzlichen Handbelichtungsmesser durchgeführt werden. Praktisch jede Digitalkamera verfügt jedoch über einen eingebauten Belichtungsmesser, der nach dem Prinzip der Objektmessung arbeitet.

Wie viel Licht ein Objekt reflektiert hängt aber von dessen Objekthelligkeit ab. Der Belichtungsmesser kann die Objekthelligkeit eines angemessenen Objekts nicht erkennen; er weiß nicht, ob das Objekt viel oder wenig Licht reflektiert. Belichtungsmesser sind vielmehr auf einen mittleren (neutralen) Grauwert von 18 % Reflexion geeicht. Für den Belichtungsmesser sind also alle Objekte grau.

Die Objektmessung führt deshalb bei Objekten bzw. Motiven die heller oder dunkler als mittleres Grau sind zu falschen Ergebnissen. Weißer Schnee, mit fast 100 % Reflexion, erscheint auf dem Foto unterbelichtet grau, weil der Belichtungsmesser unterstellt, er reflektiere nur 18 % des Lichts. Umgekehrt wird schwarz Kohle, die fast gar kein Licht reflektiert, überbelichtet grau wiedergegeben. Wenn dies nicht gewünscht ist, muss der Wert der Belichtungsmessung korrigiert werden (siehe: Belichtungskorrekur).

TTL-Messung

Die TTL-Messung ist eine besondere Form der Objektmessung, die bei praktisch allen Spiegelreflexkameras und auch bei vielen Kompaktkameras zum Einsatz kommt. "TTL" (through the lens) bedeutet dabei, dass exakt das Licht gemessen wird, das durch das Objektiv in die Kamera gelangt und schließlich den Sensor belichtet.

Da bei der TTL Messung dasselbe Licht gemessen wird, das zur Belichtung genutzt wird, werden lichtmindernde Faktoren, wie z.B. Filter oder Zwischenringe, automatisch berücksichtigt. Ohne TTL-Messung müssen sie den durch Einsatz eines Filters auftretenden Lichtverlust selbst hinzurechnen.

Hand- oder Kamerabelichtungsmesser?

Ohne Zweifel, die Arbeit mit den Belichtungsmesser der Kamera ist in vielen Fällen deutlich bequemer als die Arbeit mit einem zusätzlichen Gerät. Es entstehen keine zusätzlichen Anschaffungskosten, die Ausrüstung ist kleiner und leichter, die TTL-Messung sehr genau und über die Belichtungsprogramme wird die Belichtung direkt in der Kamera eingestellt.

Dennoch bietet der Handbelichtungsmesser viele Vorzüge, die der Belichtungsmesser der Kamera nicht bieten kann.

  • Für die Lichtmessung ist ein Handbelichtungsmesser notwendig.
  • Für die Objektmessung lässt sich an Handbelichtungsmesser meist ein sehr kleiner Messwinkel von etwa 1° einstellen (Spotmessung), über den selbst anspruchsvolle Profikameras nicht verfügen.
  • Handbelichtungsmesser verfügen oft über nützliche Zusatzfunktionen, z.B. für die Kontrastmessung oder für das Arbeiten mit der Zonenmethode.
  • Für die Arbeit mit Studioblitzanlangen ist ein Handbelichtungsmesser unverzichtbar (Blitzbelichtungsmesser).

Die Arbeit mit dem Handbelichtungsmesser ist in jedem Fall etwas (zeit-) aufwendiger. Sein Einsatz eignet sich deshalb nur bei relativ statischen Motiven, wie z.B. Landschaftsaufnahmen oder gestellten Porträts. Wo es auf eine blitzschnelle Reaktion ankommt, wie in der Sport- oder Actionfotografie, ist ein Handbelichtungsmesser eher hinderlich.