9. Belichtungskorrektur

Dank der immer komplexer werdenden Messverfahren liefert der kamerainterne Belichtungsmesser in den meisten Fällen brauchbare bis gute Ergebnisse. Es gibt aber immer wieder Situationen, in denen auch der beste Belichtungsmesser überfordert ist und der Mensch mit einer Belichtungskorrektur eingreifen muss.

Wann und in welcher Form eine Korrektur erforderlich ist, hängt von vielen Faktoren ab, so dass einfache generalisierende Hinweise nicht gegeben werden können. Sie müssen die Funktionsweise des Belichtungsmessers verstehen, um seine Schwächen erkennen zu können. Wenn Sie dann ihr theoretisches Wissen wiederholt in der Praxis anwenden und sich von ersten Fehlschlägen nicht entmutigen lassen, werden Sie bald ein sicheres Gespür für notwendige Belichtungskorrekturen erlangen.

Neutrales Grau

Der Kamerabelichtungsmesser ist auf neutrales Grau mit 18 % Reflexion geeicht. Er unterstellt also, dass das angemessene Motiv 18 % des auf ihn fallenden Lichts reflektiert. Reflektiert das Motiv tatsächlich mehr oder weniger Licht, weil es heller bzw. dunkler als neutrales Grau ist, kommt es zu Fehlbelichtungen. Helle Motive werden dunkler wiedergegeben, dunkle Motive entsprechend heller. Der Belichtungsmesser macht quasi alle Motive grau.

Um solche Motive richtig zu belichten, müssen die Werte der Belichtungsmessung korrigiert werden. Dabei gilt:

Helle Motive müssen überbelichtet werden (+Korrektur).
Dunkle Motive müssen unterbelichtet werden (-Korrektur).

Der klassische Beispiel für eine notwendige Belichtungskorrektur ist die Aufnahme einer Schneelandschaft. Der weiße Schnee reflektiert viel Licht und macht die Landschaft deutlich heller als mittleres Grau. Selbst die Matixmessung wird hier getäuscht. Um die Schneelandschaft passend zu belichten, muss gegenüber den Werten des Belichtungsmesser überbelichtet werden.

Das Beispiel rechts wurde ohne Belichtungskorrektur aufgenommen. Trotz Matrixmessung hat der Schnee den Belichtungsmesser getäuscht. Die Werte des Belichtungsmessers lassen den Schnee grau erscheinen.

Erst durch eine Belichtungskorrektur wurde der Schnee heller und wie in der Realität weiß wiedergegeben:

+2 LW

Wie stark die Belichtung korrigiert werden muss, hängt also zum einen davon ab, wie stark die Helligkeit des Motivs vom mittleren Grau abweicht (siehe Grafik rechts).

Belichtungsmodi

Die Helligkeit eines einzelnen Objekts ist aber nur ein Faktor, der die Stärke der Belichtungskorrektur bestimmt. Mindestens genauso wichtig ist der Umstand, wie stark ein helles bzw. dunkles Objekt im Motiv die Belichtungsmessung beeinflusst. Das hängt wiederum entscheidend von dem verwendeten Messmodus ab.

Am einfachsten ist die Vorhersage bei einer Spotmessung. Aufgrund des kleinen Messwinkels kann ein einzelnes Objekt gezielt angemessen werden.

Im Beispiel links ist so die gezielte Messung des schwarzen Hundes möglich. Die Messung wird allein durch den schwarzen Motivteil bestimmt. Um diesen Teil im Foto auch schwarz wieder zu geben, wäre eine Belichtungskorrektur von etwa zwei Stufen (-2 LW) notwendig (vgl. Grafik unten).

Anders ist es bei der mittelbetonten Integralmessung. Mit ihr kann ein helles oder dunkles Objekt nicht mehr gezielt angemessen werden. Da zudem Durchschnittswerte gebildet werden, hängt der Einfluss des Objekts auf die Belichtungsmessung davon ab, welchen Anteil das Objekt an dem messentscheidenden Bildfeld hat.

Im Beispiel rechts nimmt der schwarze Hund nicht ganz die Hälfte des messwichtigen Bildfelds in der Mitte ein. Der Rest des Messfeldes wird durch den deutlich helleren blauen Himmel dominiert. Da bei der Integralmessung ein Durchschnittswert gebildet wird, wird der helle Himmel den Einfluss des dunklen Hundes auf die Messung zum Teil wieder ausgleichen.

Dennoch wird der gemessene Motivteil im Durchschnitt dunkler als mittleres Grau sein. Zur korrekten Belichtung wäre hier eine Belichtungskorrektur zwischen -0,5 und -1,5 LW erforderlich. Eine kleine Veränderung des Bildausschnitts und damit auch des Messfeldes könnte aber bereits zu ganz anderen Ergebnissen führen.

Noch komplizierter ist es bei der Matrixmessung den Einfluss heller oder dunkler Objekte auf die Belichtungsmessung abzuschätzen. Das Beispiel links zeigt, dass der Hund eine Reihe der Messfelder in der Bildmitte entweder vollständig oder teilweise ausfüllt. Die übrigen Felder in der Bildmitte werden vom Himmel dominiert. In den Feldern am Bildrand ist der Anteil des Hundes eher gering.

Wie die sich daraus ergebenen Messergebnisse der einzelnen Felder das Messergebnis insgesamt beeinflussen, hängt von der weiteren Verarbeitung und Gewichtung der Messergebnisse durch die Kameraelektronik ab und kann von Kameramodell zu Kameramodell sehr unterschiedlich sein.

Nur durch praktische Übungen mit Ihrer eigenen Kamera können Sie ein Gefühl dafür entwickeln, wie Sie in vergleichbaren Situationen bei der Matrixmessung die Belichtung korrigieren müssen. Tatsächlich wurde das Beispielsfoto mit der Matrixmessung und einer Belichtungskorrektur von -2/3 LW aufgenommen.

Farbe

Der Belichtungsmesser misst nur die Helligkeit des Motivs, Farben werden von ihm wie Grauwerte behandelt. Wir sehen in einem Motiv hingegen in erster Linie die Farben und müssen einschätzen welchen Tonwert eine Farbe hat.

Das ist nicht immer ganz einfach, da Farben unterschiedlich hell sind. Gelb ist beispielsweise eine sehr helle Farbe, die zur korrekten Wiedergabe eine Überbelichtung erfordert. Blau hingegen wirkt erst bei einer leichten Unterbelichtung voll gesättigt.

Im Zweifel sollten Sie eine Graukarte, die im Fotohandel erhältlich ist, als Referenz neben das Objekt halten, um die Helligkeitsabweichungen besser beurteilen zu können.

Belichtungsreihe

Es bedarf viel praktischer Erfahrnung, um eine Belichtungskorrektur relativ sicher einschätzen zu können. Zudem wird in der Praxis die Korrektur nicht exakt mathematisch berechnet, sondern mehr aus dem Gefühlt heraus geschätzt. Kein Wunder also, dass selbst gestandene Profis Fehlbelichtungen nicht absolut ausschließen können. Wer bei einer Aufnahme absolut sichergehen will, sollte deshalb mit Belichtungsreihen arbeiten.

Bei einer Belichtungsreihe werden mindesten drei Aufnahmen gemacht, wobei die Belichtung für jede Aufnahme verändert wird. Die erste Aufnahme wird in der Regel mit den Werten der Belichtungsmessung aufgenommen. Die zweite Aufnahme wird gegenüber den Werten der Belichtungsmessung unterbelichtet und die dritte überbelichtet (oder ungekehrt). Später können Sie zu Hause am Bildschirm in aller Ruhe die Aufnahme mit der besten Belichtung auswählen und die übrigen Aufnahmen einfach löschen.

Wie stark von den Werten der Belichtungsmessung abgewichen wird, hängt vom Motiv und ihrer Unsicherheit bei der Belichtung ab. In der Regel wird die Abweichungen bei +/-0,5 bis +/-1,5 LW liegen.

Viele Kameras bieten eine Funktion für automatische Belichtungsreihen. Hier kann die Belichtungskorrektur im Kameramenü zuvor eingestellt werden. Die Kamera macht dann drei Aufnahmen, eine mit dem Werten der Belichtunngsmessung, eine unter- und eine überbelichtet. Die Belichtungskorrekturen werden dabei von der Elektronik vorgenommen, so dass Sie zwischen den Aufnahmen keine Änderungen der Belichtungseinstellungen vornehmen müssen.