Tilt & Shift Effekt (Gimp 2.6)

Während des Eurovision Song Contests 2011 in Düsseldorf wurden während der Pausen kleine Filme gezeigt, in denen Deutschland wie eine Miniaturlandschaft gezeigt wurde. Dieser Effekt wurde insbesondere dadurch erzielt, dass Teile der Bilder weichgezeichnet wurden als hätte die Aufnahme nur eine sehr geringe Schärfentiefe.

Auch in der Fotografie ist dieser Effekt sehr beliebt. Er wird hier oft als Tilt-Shift-Effekt bezeichnet. Der Ausdruck hat seinen Ursprung bei den Shift- & Tiltobjektiven, bei denen das Linsensystem des Objektivs zur Film- bzw. Sensorebene verschoben (shiften) bzw. gekippt (tilten) werden kann.

Dank digitaler Bildbearbeitung muss aber kein teures Spezialobjektiv angeschafft werden, um diesen Effekt bei eigenen Aufnahmen zu nutzen. Bei vielen Kompaktkameras kann der Effekt bereits mit Hilfe eines entsprechenden Motivprogrammes erzielt werden. Mit Hilfe eines guten Bildbearbeitungsprogrammes kann der Effekt aber auch erst später erzeugt und individuell auf ein Motiv angepasst werden.

Wie das geht, wird hier am Beispiel des Programms Gimp 2.6 gezeigt.

Plug-In "Focus Blur"

Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, sollten Sie zunächst das Plug-In "Focus Blur" in Gimp installieren. Focus Blur ist ein Weichzeichnungsfilter, der nicht zur Standardinstallation von Gimp gehört. Natürlich können Sie auch zunächst mit einem anderen Weichzeichnungsfilter arbeiten, allerdings lassen sich mit den Standardfiltern nicht so gute Ergebnisse erzielen.

Fokus Blur kann in der Plug-in Registry von gimp.org kostenlos heruntergeladen werden
( http://www.registry.gimp.org/node/8236).

Die Installation ist unter Windows vergleichsweise einfach.

  1. Extrahieren Sie die heruntergeladene ZIP-Datei, indem Sie im Dateibrowser mit der rechten Maustaste auf die ZIP-Datei klicken und den Befehl "Alles extrahieren..." wählen.
  2. In dem extrahieren Ordner wechseln Sie in den Unterordner "lib/gimp/2.0/plug-ins".
  3. Dort finden sie die Datei "focusblur.exe". Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei und wählen Sie "Kopieren".
  4. Wechseln Sie nun im Dateibrowser in das Programmverzeichnis von gimp. In der Regel müsste dies der Ordner "C:/Programme/Gimp 2.0" sein. Von dem Programmverzeichnis aus wechseln Sie zum Unterordner "lib/gimp/2.0/plug-ins".
  5. In diesem Unterverzeichnis befinden sich bereits eine Reihe von EXE-Dateien. Kopieren Sie in dieses Verzeichnis auch die Datei "focusblur.exe", indem Sie mit der rechten Maustaste auf das Verzeichnis klicken und "Einfügen" wählen.
  6. Zum Abschluss muss das Programm Gimp einfach wie gewohnt neu gestartet werden. Während des Starts wird Focus Blur automatisch installiert.

1. Schritt

Die Arbeit am Miniatureffekt beginnt - wie so oft - bereits mit der Wahl des Motivs. Besonders deutlich wird der Effekt, wenn im Motiv Objekte mit bekannten Größen zu sehen sind, z.B. Personen, Fahrzeuge, Gebäude. Darüber hinaus sollte die Aufnahme von einem erhöhten Standpunkt aufgenommen werden, damit man wie bei einer Miniaturwelt eine Aufsicht von oben erhält.

Natürlich sind diese beiden Vorgaben nicht zwingend. Wenn es Ihren kreativen Ideen entspricht, können sie den Tilt-Effekt auch auf Aufnahmen anwenden, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen. Dies kann zu sehr überraschenden Ergebnissen führen.

Für mein Beispiel habe ich ein Motiv gewählt, das die oben genannten Voraussetzungen erfüllt.

2. Schritt

Optimieren Sie zunächst Ihre Aufnahme (fast) wie gewohnt (siehe: Gimp - kostenlose Alternative zu Photoshop).

Um den Eindruck einer Miniaturwelt noch zu verstärken, können Sie den Kontrast und die Farbsättigung stärker erhöhen als gewohnt. Hierdurch sehen die Objekte später fast so aus als seien sie angemalt.

Ferner können Sie die Tonwerte in den Lichtern leicht erhöhen.

3. Schritt

Wenn die Bildoptimierung abgeschlossen ist, erstellen Sie eine Kopie der Hintergrundebene. Wählen Sie hierzu den Befehl "Ebene > Ebene duplizieren" oder klicken Sie auf das Duplizieren-Symbol in der Ebenenpalette.

4. Schritt

Auf die duplizierte Ebene "Hintergrund-Kopie" wenden Sie nun den Weichzeichnungsfilter an. Wie bereits erwähnt, ist für unsere Zwecke der Filter "Focus Blur" am besten geeignet. Wenn Sie den Filter wie oben beschrieben installiert haben, rufen Sie ihn mit dem Befehl "Filter > Weichzeichnen > Focus Blur..." auf.

Nach dem Aufruf erscheint das nebenstehende Menü. Für unsere Zwecke sind die Einstellungen "Diffusion Model and Radius" im Register "Basic" wichtig.

Mit der Einstellung "Radius" wird festgelegt, wie stark das Bild weichgezeichnet wird. Je höher der Radius, desto stärker ist der Effekt. In der Regel empfiehlt sich je nach Größe des Bildes ein Wert zwischen 10 und 25. Die Auswirkungen der Einstellung können Sie in dem kleinen Vorschaufenster des Menüs beurteilen. Im Zweifel wählen Sie ruhig einen etwas höheren Wert, da eine Feinabstimmung später noch erfolgt.

In dem darunter liegenden Aufklappmenü können sie zwischen verschiedenen Diffusionsmodellen wählen, die festlegen, wie der Filter arbeitet. Für unsere Zwecke eignet sich das Modell "Flat". Nach meinem Geschmack ist das Modell "Spherical" jedoch noch besser geeignet.

Bestätigen Sie zum Abschluss Ihre Einstellungen mit "OK".

Die gesamte Ebene "Hintergrund-Kopie" wird nun stark weichgezeichnet.

5. Schritt

Der Tilt-Effekt ist durch eine geringe Tiefenschärfe gekennzeichnet. Um diese zu simulieren, muss nun ein Teil der weichgezeichneten Ebene ausgeblendet werden. Dies erreichen Sie mit Hilfe einer Ebenenmaske und dem Werkzeug "Farbverlauf".

Legen Sie deshalb zunächst auf der Ebene "Hintergrund-Kopie" mit dem Befehl "Ebene > Maske > Ebenenmaske hinzufügen..." eine Ebenenmaske an. Im folgenden Menü wählen Sie den Punkt "Weiß (volle Deckkraft)" und bestätigen mit "OK".

Achten Sie für die weitere Bearbeitung darauf, dass in der Ebenenpalette die neu erstellte Ebenenmaske zur Bearbeitung ausgewählt ist. Dies erkennen Sie daran, dass das Maskensymbol vollständig weiß ist und keinen schwarzen Rand hat.

Wählen Sie im "Werkzeugkasten" das Werkzeug "Farbverlauf" aus. Als Vordergrundfarbe muss für das Werkzeug Schwarz und als Hintergrundfarbe Weiß gewählt werden. Der eigentliche Trick unserer Arbeit ist, im Aufklappmenü "Form:" den Punkt "Bi-linear" auszuwählen.

Klicken Sie nun im Foto mit der Maus auf das bildwichtige Element, also den Motivteil, der später scharf wiedergegeben werden soll. In meinem Beispiel ist dies die Familie in der unteren Bildhälfte.

Ziehen Sie bei gedrückter Maustaste die Maus genau senkrecht nach oben oder nach unten bis knapp außerhalb des bildwichtigen Bereichs. In meinem Beispiel habe ich die Maus nach unten bis etwas unterhalb der Familie gezogen. Bevor Sie die Maustaste wieder loslassen, achten Sie genau darauf, dass die entstehende Linie exakt senkrecht ist.

Wenn Sie die Maustaste wieder loslassen, zeichnet Gimp in der Ebenenmaske einen Farbverlauf, der ausgehend vom ersten Mausklick sowohl nach oben als auch nach unten von Schwarz nach Weiß verläuft.

Wo die Maske nun schwarz ist, scheint die untere nicht weichgezeichnete Hintergrundebene durch, das Foto ist hier scharf. Zum oberen und unteren Bildrand hin, wo die Maske weiß ist, bleibt die weichgezeichnete Ebene sichtbar, das Foto ist hier unscharf.

Den Farbverlauf auf Anhieb richtig zu platzieren, ist auch für den geübten Anwender nicht ganz einfach. Seien Sie deshalb nicht enttäuscht, wenn es beim ersten Versuch nicht gleich klappt.

Wenn Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, gehen Sie einfach über die Protokollpalette einen Schritt zurück und versuchen Sie es nochmal. In meinem Beispiel habe ich über zehn Anläufe benötigt, bis ich zufrieden war.

6. Schritt

Haben Sie den passenden Farbverlauf gefunden, können Sie zuletzt mit Hilfe der Ebenendeckkraft eine letzte Feinabstimmung der Unschärfe vornehmen.

Wenn Sie im vierten Schritt eine etwas stärkere Weichzeichnung vorgenommen haben, reduzieren Sie nun in der Ebenenpalette die "Deckkraft" der Ebene "Hintergrund-Kopie" bis zum optimalen Ergebnis. Hierdurch wird der Übergang zwischen scharfem und unscharfem Bildbereich noch etwas weicher.

Zum Schluss führen Sie beide Ebenen mit dem Befehl "Ebene > Nach unten vereinen" wieder zusammen.

Ergebnis

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