Scharfe Ebene II: Partielles Schärfen (Photoshop CS)

Im ersten Teil des Kapitels "Scharfe Ebene" wurde gezeigt, wie Sie eine Hilfsebene bei der Arbeit mit dem Filter "Unscharf maskieren" einsetzen können und welche generellen Vorteile diese Technik bietet. Im zweiten Teil soll nun gezeigt werden, wie Sie mit Hilfe der Ebenentechnik einzelne Bildbereiche unterschiedlich nachschärfen können.

1. Einfache Ebenenmaske

Nicht immer soll ein Foto im Ganzen einheitlich nachgeschärft werden. Häufig ist es besser, wenn nur die bildwichtigen Objekte nachbearbeitet werden. In meinem ersten Beispiel soll nur der Hund nachgeschärft werden. Bei dem bewusst unscharf gehaltenen Hintergrund soll durch das Nachschärfen keine unschöne Körnigkeit erzeugt werden.

Zunächst wird das gesamte Bild wie gewohnt auf einer Hilfsebene nachgeschärft (Einzelheiten: siehe Scharfe Ebene I). Anschließend wird mit einem beliebigen Auswahlwerkzeug eine Auswahl um den Bereich des Bildes gelegt, der nachgeschärft werden soll. In meinem Beispiel also um den Hund.

Als Auswahlwerkzeuge bieten sich in der Regel das Lasso-Werkzeug (L) oder das Polygon-Werkzeug (L) an. Die Auswahl sollte nicht exakt am Objekt anliegen, muss es aber vollständig umschließen.

Damit später der Übergang zwischen dem geschärften und dem ungeschärften Bereich nicht erkennbar ist, wird nun der Befehl "Auswahl > Weiche Auswahlkante..." aufgerufen. Der Radius für die weichen Kanten hängt von der Größe des Fotos ab, sollte aber mindestens 25 Pixel betragen. In meinem Beispiel, das im Original 3072 x 2048 Pixel groß ist, wählte ich einen Radius von 100 Pixeln.

Nun wird die Ebenenmaske angelegt. Hierzu können Sie den Befehl "Ebene > Ebenenmaske hinzufügen > Auswahl einblenden" wählen oder Sie klicken in der Ebenenpalette einfach auf das Symbol .

Die Ebenenmaske sorgt nun dafür, dass nur die im weißen Bereich der Maske liegenden Bildpunkte der geschärften Hilfsebene sichtbar sind, während die Punkte im schwarzen Bereich ausgeblendet werden. In den grauen Grenzbereichen werden die Pixel mit entsprechend verringerter Deckkraft wiedergegeben.

2. Manuell nachschärfen

Hin und wieder kommt es auch vor, dass nur ein sehr kleiner Bereich des Fotos nachgeschärft werden muss. Bei einer Porträtaufnahme ist es oft vorteilhaft nur die Augen und ggf. die Lippen leicht nach zu schärfen. Auch dies ist mit einer Hilfsebene ganz leicht möglich.

Legen sie zunächst wieder eine Hilfsebene an und schärfen diese wie gewohnt nach. Achten Sie darauf, dass die Objekte, die später scharf sein sollen, auch ausreichend nachgeschärft werden. Nun legen Sie eine Ebenenmaske an, die die gesamte Ebene ausblendet. Dies können Sie mit dem Befehl "Ebene > Ebenenmaske hinzufügen > Alles ausblenden" oder indem sie mit gedrückter Alt-Taste auf das Symbol in der Ebenenpalette klicken.

Neben dem kleinem Foto in der Ebenenpalette erscheint nun eine vollkommen schwarze Maske. Wählen Sie nun das Pinsel-Werkzeug (B) aus. Wählen Sie in der Optionsleiste im oberen Bildschirm eine Pinselspitze in passender Größe mit weichen Kanten. Die Deckkraft des Pinsels sollte zwischen 15 und 25 % liegen.

In der Toolbox wählen Sie als Vordergrundfarbe Weiß. Achten Sie darauf, dass in der Ebenenpalette die schwarze Ebenenmaske gewählt ist; im Zweifel klicken Sie nochmals auf die Maske.

Nun können Sie im Foto über die Stellen malen, die nachgeschärft werden sollen. In meinem Beispiel die Augen. Nach den ersten Strichen können Sie in der Ebenenpalette sehen, wie an den entsprechenden Stellen helle Punkte erscheinen. Dort scheinen nun die nachgeschärften Pixel der Hilfsebene durch. Malen Sie solange im Foto weiter, bis alle gewünschten Objekte scharf sind.

3. Mehrfach schärfen

Es kann auch vorkommen, dass einzelne Bildbereiche stärker geschärft werden müssen als andere. Beispielsweise bei Weitwinkelaufnahmen kann es selbst bei teureren Objektiven in den Randbereichen zu Schärfeverlusten kommen wie in meinem Beispiel.

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Bildbereiche getrennt voneinander zu schärfen.

Legen Sie hierzu zunächst wie gewohnt eine Hilfsebene an, schärfen Sie sie aber noch nicht nach. Fertigen Sie zuerst eine Kopie der Hilfsebene mit dem Befehl "Ebene > Ebene duplizieren" an. Deaktivieren Sie das Duplikat durch Mausklick auf das Augensymbol und rufen Sie die ursprüngliche Hilfsebene wieder auf.

Schärfen Sie nun wie üblich die erste Hilfsebene, wobei sich die Einstellungen an den bildwichtigen Objekten in der Bildmitte orientieren. Die Unschärfe am Rand wird später gesondert bearbeitet.

Das Schärfen der ersten Ebene hat die Unschärfe in der Bildmitte gut beseitigt, für die Unschärfe an den Rändern war sie jedoch zu schwach. Deshalb wird nun die zweite Hilfsebene wieder aktiviert und stärker nachgeschärft, bis auch die Unschärfe an den Rändern beseitigt ist.

Zur Vorbereitung der Ebenenmaske müssen nun die Bildbereiche, die der stärkeren Nachbearbeitung bedurften, mit einem passenden Auswahlwerkzeug ausgewählt werden. In meinem Beispiel habe ich hierzu mit dem Auswahlellipse-Werkzeug (M) eine Ellipse über fast das gesamte Bild gelegt und anschließend die Auswahl mit dem Befehl "Auswahl > Auswahl umkehren" umgekehrt. Mit dem Befehl "Ebenen > Weiche Auswahlkante..." wurden wieder weiche Kanten festgelegt.

Nach getroffener Auswahl wird dann mit dem Befehl "Ebene > Ebenenmaske hinzufügen > Auswahl einblenden" oder durch Klick auf das Symbol in der Ebenenpalette eine Ebenenmaske eingefügt.

Mit dieser Technik wurde die Randunschärfe wirkungsvoll beseitigt, ohne dass die Bildmitte durch Überschärfe Schaden genommen hat.

4. Differenzierte Schärfen nach Helligkeit

Besonders bei kontrastreichen Fotos, bei denen die Tiefen ggf. sogar aufgehellt wurden, kann es vorkommen, dass durch das Schärfen in den Tiefen unschönes Bildrauschen sichtbar wird. Besitzern von Photoshop CS2 kann hier der Filter "Selektiver Scharfzeichner" weiterhelfen. Ansonsten können hier die Ebeneneigenschaften der Hilfsebene weiterhelfen.

Mein Beispiel links zeigt einen Ausschnitt aus den Schatten des Fotos oben im Maßstab 1:1 nach dem Schärfen. Deutlich sind die braunroten Farbkleckse zu erkennen, die nicht gewollt sind.

Anstatt nun alle Schatten mit einer Ebenenmaske auszublenden ist es einfacher, hier mit den Fülloptionen der Hilfsebene zu arbeiten. Wählen Sie hierzu die Hilfsebene in der Ebenenpalette aus und rufen Sie den Befehl "Ebene > Ebenenstil > Fülloptionen..." auf. Es erscheint folgender Dialog:

In der Mitte des Dialogs unten finden Sie die Einstellungen des Farbbereichs. Mit den Schiebern unterhalb des Balkens "Diese Ebene" wird festgelegt, welche Pixel dieser Ebene ein- bzw. ausgeblendet werden. Um die dunklen Pixel der nachgeschärften Hilfsebene auszublenden, schieben Sie das linke schwarze Dreieck unter dem Balken nach rechts bis ein Wert zwischen 40 und 80 erreicht wird. Beobachten Sie die Veränderungen in der Vorschau.

Um einen weichen Übergang von den geschärften zu den ungeschärften Bildteilen zu erreichen, muss das Dreieck im Dialog aufgeteilt werden. Hierzu klicken Sie mit gedrückter Alt-Taste auf den rechten Teil des Dreiecks und schieben dieses weiter nach rechts.

In den Schatten sind die Farbkleckse nun verschwunden. Allerdings sind die Schatten nun auch nicht geschärft, was in meinem Beispielbild auch nicht erforderlich war. Sollen die Schatten leicht geschärft werden, schieben sie die linke Hälfte des schwarzen Dreiecks wieder ganz nach links und nehmen die Feinabstimmung allein mit der rechten Hälfte des Dreiecks vor. Hilft das auch nicht weiter, kann die Technik auch mit der Technik aus Ziffer 3 kombiniert werden und auf zwei Hilfsebenen getrennt geschärft werden.

Sie sehen, das Schärfen mit Hilfsebenen bietet für fast jedes Problem eine Vielzahl von Lösungen.

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