Scharfe Ebene I: Schärfen mit Hilfsebenen (Photoshop CS)

Regelmäßig zum Ende einer jeden Bildoptimierung muss das Foto nachgeschärft werden. Das Werkzeug der ersten Wahl hierzu ist in Photoshop der Filter "Unscharf maskieren" (Befehl: Filter > Scharfzeichnungsfilter > Unscharf maskieren...).

Mit seinen drei Reglern können die wichtigsten Parameter des Nachschärfens festgelegt werden. Der Wert "Stärke" legt fest, wie kräftig der Kontrast an den Kanten gesteigert werden soll. Der Wert "Radius" bestimmt die Zahl der benachbarten Pixel, die durch das Schärfen verändert werden. Der "Schwellenwert" definiert schließlich, wie viele Pixel als Kante betrachtet werden sollen.

Der größte Nachteil des Filters ist, dass es ihn (noch) nicht als Einstellungsebene gibt. Bislang können nur Pixelebenen nachgeschärft werden. Dabei werden die Bildinformationen in der Ebene dauerhaft verändert.

Mit Hilfe einer Hilfsebene kann der Filter aber bereits heute mit vielen Vorteilen der Ebenentechnik kombiniert werden. Wie eine Hilfsebene erstellt werden kann und welche generellen Vorteile sie bietet, will ich hier zeigen. Im zweiten Teil werden die Vorzüge der Arbeit mit Ebenenmasken beim Schärfen gezeigt.

1. Eine Hilfsebene anlegen

Eine Hilfsebene ist schlicht eine Pixelebene, die eine Kopie des bis dahin bearbeiteten Bildes enthält. Besteht das Bild nur aus einer Hintergrund-Ebene, kann sie ganz einfach mit dem Befehl "Ebene > Ebene duplizieren..." angelegt werden.

Nach einer Bildoptimierung wird das Foto in der Regel jedoch aus mehreren Ebenen bestehen, wie in meinem Beispiel links. Würde man nun das Bild auf den Hintergrund reduzieren, gingen die Ebenen für immer verloren. Ein nachträgliche Änderung der Einstellungen wäre nicht mehr möglich.

Besser ist es deshalb eine neue Ebene mit einer Zusammenfassung der darunterliegenden Ebenen zu schaffen.

1. Legen Sie dazu zuerst eine neue leere Ebene an. Dieses können Sie entweder mit dem Befehl "Ebene > Neu > Ebene..." oder sie klicken in der Ebenenpalette auf das Symbol .

Achten Sie darauf, dass die leere Ebene wie in meinem Beispiel zuoberst liegt.

(Anm.: Besitzer von Photoshop CS2 können sich Schritt 1 sparen und sofort mit Schritt 2 anfangen.)

2. Nun sollen alle sichtbaren Ebenen zu einer zusammengefasst werden und in die leere Ebene eingefügt werden.

Hierzu wählen Sie zunächst den Befehl "Ebene > Sichtbare auf eine Ebene reduzieren" aber lassen Sie die Maustaste noch nicht los. Drücken Sie die Alt-Taste und lassen Sie nun bei gedrückter Alt-Taste die Maustaste los.

Alternativ können Sie auch mit der Tastenkombination Shift + Strg + Alt + E (alle gleichzeitig) arbeiten.

Die oberste Ebene enthält nun eine Zusammenfassung aller Ebenen, auf die der Filter "Unscharf maskieren" angewandt werden kann. Die darunter liegenden Ebenen bleiben für spätere Änderungen erhalten.

2. Feinabstimmung mittel Deckkraft

Die richtige Kombination der Werte für Stärke, Radius und Schwellenwert zu finden, ist nicht immer einfach. Wird ein Foto zu stark nachgeschärft, schadet das dem Bild meistens mehr.

Wird der Schärfefilter auf einer Hilfsebene angewandt, ist es hingegen eher von Vorteil, das Foto im Zweifel etwas kräftiger nach zu schärfen und die Feinabstimmung anschließend mittels der Ebenendeckkraft vorzunehmen.

Mein Beispiel zeigt einen Ausschnitt eines Fotos einer Industrieanlage im Maßstab 1:1. Die Hilfsebene wurde mit dem Filter "Unscharf maskieren" zunächst deutlich nachgeschärft. Das Ergebnis ist rechts zu sehen. Wenn Sie mit der Maus über den Ausschnitt fahren, können die das Ausgangsbild sehen.

Anschließend wurde die Deckkraft der Hilfsebene auf 70 % reduziert.

Das Ergebnis können Sie unten im Vergleich zur vollen Deckkraft sehen.

3. Farbkontrast erhalten

Durch die Anwendung des Filters "Unscharf maskieren" wird der Kontrast im Bild verstärkt, was regelmäßig auch zu einer Änderung der Farbsättigung führt. In den meisten Fällen wird die Änderung der Farbsättigung nur minimal sein und kaum auffallen. Es gibt aber auch Ausnahmefälle wie in meinem Beispiel.

Mein Beispielfoto musste wegen der feinen Strukturen etwas stärker nachgeschäft werden. Das führte dazu, dass auch die Farbsättigung erkennbar erhöht wurde.

Dieser Effekt war nicht beabsichtigt. Auch wenn es auf den kleinen Fotos hier anders erscheinen mag, bei der Orignialgröße des Bildes war es eine Katastrophe. Die mühsam herausgearbeiteten feinen Farbabstufungen gingen verloren, die rotbraunen Tupfen der Erikablüten verschwanden im Ockergelb des Grases.

Da der Schärfefilter auf einer Hilfsebene angewandt wurde, konnte dieses Problem durch eine Änderung des Ebenenmodus schnell gelöst werden. Statt des Modus "Normal" wurde der Modus "Luminanz" gewählt.

Der Modus "Luminanz" verhindert eine ungewollte Farbverschiebung und ermöglicht so ein Nachschärfen ohne Änderung der Farben.

4. Grenzen der Hilfsebenen

So viele Vorteile die Arbeit mit der Hilfsebene auch bietet mag, darf nicht vergessen werden, dass sie keine Einstellungsebene, sondern eine Pixelebene ist. Dieses ist vor allem bei zwei Punkten entscheidend.

1. Die Einstellungen des Schärfefilters können nachträglich nicht beliebig verändert werden. Jedes Schärfen verändert die Pixel in der Hilfsebene. Müssen die Einstellungen des Filters verändert werden, muss die Hilfsebene zuerst gelöscht oder deaktiviert, eine neue Hilfsebene erstellt und auf diese der Filter erneut angewandt werden. Ab Photoshop CS3 kann die Hilfsebene aber für Smartfilter konvertiert werden, so dass auch Filtereinstellungen nachträglich verändert werden können.

2. Werden Änderungen an den Einstellungsebenen unterhalb der Hilfsebene vorgenommen, wirken sich diese auf die Hilfsebene nicht aus. Auch hier muss die Hilfsebene wieder gelöscht oder deaktiviert, eine neue Hilfsebene erstellt und auf diese der Filter erneut angewandt werden.

Tipp: Um später noch nachvollziehen zu können, mit welchen Werten der Schärfefilter angewandt wurde, sollte der Hilfsebene ein neuer Name mit den Werten des Filters gegeben werden (Befehl: Ebene > Ebeneneigenschaften). Der Name "USM 154 1,0 1" gibt mir z.B. an, das der Filter "Unscharf maskieren" mit den Werten "154 %" für Stärke, "1,0" für Radius und "1" für Schwellenwert angewendet wurde.

Fortsetzung >> Scharfe Ebene II: Partielles Schärfen >>

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