RAW-Konvertierung mit Lightroom (Lightroom 1.1)

Es gibt viele gute Gründe, den RAW-Aufnahmemodus der Kamera zu nutzen. In einer RAW-Datei werden die vom Kamerasensor aufgenommenen Daten gespeichert, ohne dass sie zuvor in ein gängiges Bilddatenformat umgewandelt wurden. Die Konvertierung erfolgt erst später am heimischen Rechner mit Hilfe eines RAW-Konvertierungsprogramms. Der große Vorteil dabei ist, dass viele Einstellungen, wie z.B. Weißabgleich, Kontrast oder Schärfe, im nachhinein individuell und ohne Qualitätsverlust an das Foto angepasst werden können. Zudem kann allein die RAW-Datei die oft über 8 Bit hinausgehende Farbtiefe der Sensordaten voll ausnutzen.

Der Nachteil war lange, dass die erhältlichen RAW-Konverter wenig benutzerfreundlich waren und das Potential der Datei nicht voll ausschöpften. Mit Photoshop CS hat Adobe erstmals seinen universellen RAW-Konverter Adobe Camera Raw (ACR) vorgestellt. Mit Einführung von Photoshop CS3 und Photoshop Elements 5 Anfang 2007 liegt Camera Raw nun in der vierten Version vor und hat sich deutlich weiter entwickelt.

Durch die Integration von Camera Raw in das neue Programm Photoshop Lightroom wurde ein ganz neuer Programmtyp geschaffen, einen RAW-Konverter der zugleich Bildbrowser, Datenbank- und Druckprogramm ist. Hierdurch ist die Arbeit mit RAW-Dateien so komfortabel geworden, dass es eigentlich keinen Grund mehr gibt, nicht im RAW-Modus zu arbeiten.

Die Arbeitsschritte der RAW-Konvertierung sind denen der herkömmlichen Bildoptimierung in Photoshop ähnlich. Auch die angebotenen Werkzeuge sind vergleichbar, unterscheiden sich aber auch teilweise deutlich in Wirkung und Handhabung von denen in Photoshop. Eine kurze Übersicht über die wichtigsten Werkzeuge in Camera Raw soll hier anhand von Photoshop Lightroom 1.1 gegeben werden.

ACR in Lightroom

Camera Raw wird in Lightroom über den Menüpunkt "Entwickeln" im Modulmenü angewählt.

In der Mitte des Bildschirms ist eine Vorschau des RAW-Bildes zu sehen. In der Werkzeugleiste unterhalb der Vorschau sind verschiedene Werkzeuge zu finden, u.a. zum Beschneiden des Bildes und für kleinere Retuschen.

Im Bedienfeld im linken Drittel des Bildschirms ist u.a. das Protokoll zu finden, in dem wie in Photoshop jeder Bearbeitungsschritt aufgezeichnet wird und notfalls rückgängig gemacht werden kann.

Die für die Konvertierung wichtigsten Regler finden sich im rechten Bedienfeld. Dieser Teil beginnt oben mit dem Histogramm. Anders als standardmäßig in Photoshop werden im Histogramm alle drei Farbkanäle gleichzeitig angezeigt. Darüber hinaus können im Histogramm selbst mit der Maus Einstellungen vorgenommen werden - einfach anklicken und ziehen.

Die unterhalb des Histogramms zu findenden Steuerelemente sind für die Standardbearbeitung bereits in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht worden und können praktisch nacheinander abgearbeitet werden.

Weißabgleich

Zunächst erfolgt der Weißabgleich (WA) im Bedienfeld "Grundeinstellungen". Hierdurch werden die Farben im Bild an die Lichttemperatur während der Aufnahme angepasst, um Farbstiche zu beseitigen.

Für den Weißabgleich stehen zwei Regler zur Verfügung, "Temp." für Temperatur und "Tönung". Wird die Lichttemperatur durch Verschieben des Reglers "Temp." nach links reduziert, wird das Bild bläulicher; wird der Regler nach rechts verschoben, wird das Bild hingegen gelblicher.

Der Regler "Tönung" dient der Feinabstimmung des Weißabgleichs auf der in der Farbskala der Blau-Gelb-Achse entgegengesetzten Grün-Magenta-Achse. Wird der Regler nach links verschoben, so wird dem Bild Grün hinzugefügt; bei einem Verschieben nach rechts wird Magenta hinzugefügt.

Ist im Bild eine neutralgraue Stelle vorhanden, kann durch einen Mausklick auf das Pipettensymbol das Weißbalancewerkzeug aktiviert werden. Klicken Sie mit dem Werkzeug auf eine möglichst hellgraue, fast weiße Stelle im Foto. Der Weißabgleich wird automatisch eingestellt.

In dem Aufklappmenü "WA" sind zudem verschiedene Vorgaben für typische Lichtsituationen zu finden. Die Einstellungen Ihrer Kamera für den Weißabgleich finden sie unter "Wie Aufnahme". Wenn Sie an Ihrer Kamera den automatischen Weißabgleich aktiviert haben, erhalten Sie so mit den Standardvorgaben von Camera Raw eine ganze Anzahl von Vorschlägen für den Weißabgleich, die Sie meist nur geringfügig korrigieren müssen.

Tonwertkorrektur

Nach dem Weißabgleich können die Tonwerte im Bedienfeld "Grundeinstellung" korrigiert werden. Die dazu erforderlichen Schiebregler sind in Lightroom unter der missverständlichen Überschrift "Farbton" zu finden.

Belichtung. Hauptverantwortlich für die Verteilung der Tonwerte ist der Belichtungsregler. Er reguliert hauptsächlich die Bildlichter und ist deshalb von der Handhabung vergleichbar mit dem Weißpunktregler in Photoshops "Tonwertkorrektur". Der Regler umfasst acht Stufen von -4 bis +4. Wird der Regler nach links verschoben (negative Werte) werden die Tonwerte komprimiert, das Bild wird dunkler. Bei einem Verschieben nach rechts (positive Werte) werden die Tonwerte gespreizt, das Bild wird heller.

Da durch die Belichtung vornehmlich die Bildlichter reguliert werden, ist bei der Arbeit darauf zu achten, dass keine Lichter beschnitten werden. Wird beim Bewegen des Reglers gleichzeitig die Alt-Taste gedrückt, verwandelt sich das Vorschaubild in eine schwarze Fläche, auf der alle abgeschnittenen Pixel farbig markiert werden. Insoweit entspricht die Arbeit mit dem Belichtungsregler der Arbeit mit dem Weißpunktregler in Photoshops Tonwertkorrektur.

Schwarz. Der Schwarz-Regler ist für die Tiefenbeschneidung am anderen Ende der Tonwerte zuständig. Sowohl Handhabung als auch Wirkung entspricht dem Schwarzpunktregler in Photoshops Tonwertkorrektur. Je weiter der Regler nach rechts verschoben wird, um so größer wird der Bereich, der im Bild schwarz ist. Durch Drücken der Alt-Taste während der Einstellung werden die in den Tiefen beschnittenen Pixel in der Vorschau markiert.

Wiederherstellung/Lichterkorrektur. Diese beiden Steuerelemente sind in Camera Raw 3 neu hinzugekommen. Der Idee nach sind sie vergleichbar mit dem Werkzeug "Tiefen/Lichter" in Photoshop. Mit dem Regler "Wiederherstellung" können Details in den Lichtern wiederhergestellt werden (soweit vorhanden), ohne dass sich dies auf die Gesamthelligkeit auswirkt. Es ist erstaunlich, wie viele Details in scheinbar ausgefressenen Lichtern noch stecken können.

Die Lichterkorrektur ist das Gegenstück für die Tiefen. Mit ihr werden gezielt die dunklen Bildbereiche aufgehellt, wodurch auch dort mehr Zeichnung sichtbar wird. Woher dieser Regler allerdings seinen Namen hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Helligkeit. Verständlicher ist der Name dieses Reglers, der für die Helligkeit der Mitteltöne verantwortlich ist. Anders als der Helligkeitsregler in Photoshops "Helligkeit/Kontrast" nimmt er aber nicht einfach nur eine lineare Tonwertverschiebung vor. Seine Funktionsweise ist eher vergleichbar mit dem Gammaregler in Photoshops "Tonwertkorrektur". Die Mitteltöne werden aufgehellt oder abgedunkelt, ohne dass dabei der Schwarz- oder Weißpunkt verschoben werden.

Kontraste. Auch dieser Regler ist nicht mit seinem Namensvetter in Photoshops "Helligkeit/Kontrast" vergleichbar. Seine Funktion entspricht mehr einer S-förmigen Gradationskurve und führt zu einer nichtlinearen Kontrasterhöhung (positive Werte) bzw. Kontrastverringerung (negative Werte).

Globale Farbanpassung

Seit dem Update auf Version 1.1 bietet Lightroom unter "Präsenz" im Bedienfeld "Grundeinstellungen" zur Regelung der globalen Farbanpassung insgesamt drei Regler an.

Sättigung. Dieser Regler entspricht in Handhabung und Wirkung dem gleichnamigen Photoshop-Regler unter "Farbton/Sättigung" (Bearbeiten: "Standard"). Positive Werte erhöhen die Sättigung aller Farben, negative Werte verringern die Sättigung. Um ein Schwarzweißbild zu erzeugen, kann die Sättigung auf -100 verringert werden. Camera Raw bietet hingegen bessere Werkzeuge zur Erzeugen von Graustufenbildern (siehe: RAW-Konvertierung II).

Lebendigkeit. Im Ansatz genauso arbeitet der Regler "Lebendigkeit". Nähert sich jedoch die Farbsättigung in einzelnen Bereichen des Bildes 100 % an, kommt es dort zu einer Beschneidung. Hierdurch können geringer gesättigte Farben ohne entsprechende Auswirkung auf stark gesättigte Farben geändert werden.

Klarheit. Dieser Regler ist er mit dem Update auf die Version 1.1 hinzugekommen und bezieht sich nicht auf die Farbsättigung. Er soll dem Bild Tiefe verleihen, indem der Kontrast in einzelnen Bereichen erhöht wird. - Ich gestehe, mit diesem Regler zu wenig praktische Erfahrungen gemacht zu haben, um mir ein Werturteil erlauben zu können. Vermisst habe ich ihn bislang allerdings auch nicht.

Feinschliff mit der Gradationskurve

Die letzte Feinabstimmung der globalen Einstellungen kann mit Hilfe der Gradationskurve in Camera Raw vorgenommen werden. Die Tonkurve ist durchaus vergleichbar mit ihrem Gegenstück in Photoshop, auch wenn mit ihr nicht auf einzelne Farbkanäle zugegriffen werden kann. Die Besonderheit bei ihr ist, dass alle bisher vorgenommenen Änderungen bereits in die Kurve eingeflossen sind. Die jetzigen Änderungen geben den Einstellungen deshalb nur den letzten Schliff.

Wie in Photoshop kann die Kurve mit der Maus nach Belieben verschoben werden. Alternativ können auch mit den Reglern unterhalb der Kurve einzelne Bereiche angesteuert werden. Welche Bereiche die Regler jeweils ansprechen wird sichtbar, wenn sie den Regler anwählen. In der Kurve werden die Bereiche hell markiert Mit den Reglern an der unteren Achse der Kurve können die Bereiche zudem geändert werden.

Praktisch ist auch die Möglichkeit Tonwerte direkt in der Vorschau anzuwählen. Klicken Sie hierzu zunächst auf den kleinen Kreis oben links im Bedienfeld. Anschließend suchen Sie in der Vorschau den passenden Tonwert. Der Wert wird gleichzeitig auf der Gradationskurve angezeigt. Haben Sie den gewünschten Wert gefunden, halten Sie die Maustaste gedrückt. Durch Bewegen der Maus noch oben oder unten wird die Kurve nun entsprechend verschoben.

Schließlich befindet sich noch ganz unten das Aufklappmenü "Punktkurve". Dort stehen verschiedene Kurven zur Auswahl, die natürlich noch weiter angepasst werden können.

Selektive Farbanpassung

Eine der erfreulichsten Neuerungen von Camera Raw 3 ist die Möglichkeit der Bearbeitung einzelner Farbtöne im Bedienfeld "HSL/Farbe/Graustufen". Die Auswahl "Graustufen" dient der Umwandlung in ein Schwarzweißbild (siehe: RAW-Konvertierung II).

Bei der Auswahl "HSL" erscheinen vier Registerkarten. Auf den ersten drei Karten sind ordentlich die Regler für acht Farbtöne von Rot bis Magenta angeordnet. Die Funktionsweise der Steuerelemente entspricht der von "Farbton/Sättigung" in Photoshop für die einzelnen Farbtöne. Auf der Registerkarte "Farbton" können die Farben zu den benachbarten Farbtönen verschoben werden. Über die Karte "Sättigung" kann auf die Farbsättigung der einzelnen Töne gezielt zugegriffen werden. Auf der Karte "Luminanz" kann schließlich die Helligkeit separat angesteuert werden. Die Registerkarte "Alle" listet für alle Farbtöne die Regler "Farbton", "Sättigung" und "Luminanz" gleichzeitig auf.

Einziger Wermutstropfen bleibt, dass die Farbtöne anders als in Photoshops "Farbton/Sättigung" nicht individuell definiert werden können. Allerdings können auch hier über den kleinen Kreis oben links die Farbtöne direkt im Vorschaubild angewählt und bearbeitet werden.

Die Auswahl "Farbe" bietet einen anderen Aufbau der Steuerelemente. Hier sind die Schiebregler "Farbton", "Sättigung" und "Luminanz" für jeden Farbton zusammengefasst. Die einzelnen Farbtöne werden über die oben liegenden Farbfelder angesteuert.

Beseitigung eines Farbstichs in den Schatten

In dem Bedienfeld "Teiltonung" können Farbanpassungen getrennt für "Lichter" und "Schatten" (Tiefen) vorgenommen werden. Es eignet sich besonders um den häufig in den Schatten auftretenden Blaustich zu beseitigen. Welche Bereiche bei der Bearbeitung als Lichter und welche als Schatten gelten, kann mit dem Schiebregler "Abgleich" festgelegt werden.

Rauschen und Schärfen

Zum Abschluss kann in dem Bedienfeld "Details" noch der Kampf gegen das Bildrauschen und die Unschärfe aufgenommen werden.

Rauschreduzierung. Durch den Schiebregler "Luminanz" kann das z.B. bei extremer Tonwertspreizung auftretende Helligkeitsrauschen im Bild verringert werden (siehe auch: Bildrauschen entfernen). Die Luminanzglättung führt aber gleichzeitig zu einer erkennbaren Abnahme der Bildschärfe und sollte deshalb nur sehr vorsichtig eingesetzt werden. Der Regler "Farbe" reduziert das Farbrauschen. Sein Einsatz ist weniger destruktiv.

Schärfen. Auch Camera Raw 3 bot ursprünglich nur einen Regler zum Einstellen der Bildschärfe. Mit dem Update auf Lightroom 1.1 haben sich die Möglichkeiten deutlich verbessert. Nun stehen insgesamt vier Regler zum Steuern der Schärfe zur Verfügung, die eine gezielte, individuelle Steuerung ermöglichen.

Über den Regler "Betrag" (von 0 bis 150) wird die Stärke der Kantenkorrektur vorgegeben. Er ist vergleichbar mit dem Regler "Stärke" in Photoshops Filter "Unscharf maskieren" (USM). Bei einem Wert von Null wird das Foto nicht geschärft. Je höher der Betrag eingestellt wird, um so höher wird der Kontrast an Kanten.

Mit "Radius" (von 0,5 bis 3,0) wird festgelegt, auf welcher Breite sich die Kontraständerung auswirkt. Er entspricht insoweit seinem Namensvetter im USM-Filter.

Der Regler "Details" (von 0 bis 100) hat keine Entsprechung beim USM-Filter. Er legt fest, welche hochfrequenten Informationen im Bild geschärft werden und in welchem Maß die Schärfung die Kanten betont. Grob vereinfacht kann seine Wirkung so beschrieben werden, dass bei niedrigen Werten der Kontrast an den Kanten geglättet wird. Niedrige Werte schärfen vor allem die Kanten, während hohe Werte geeignet sein können, Texturen im Bild hervorzuheben.

Wie sich die Einstellungen auswirken zeigt folgendes extremes Beispiel bei einer Vergrößerung von 200 %:

Betrag
0
150
150
150
Radius
0,5
0,5
3,0
3,0
Details
100
100
100
25

Der letzte Regler "Maskieren" (von 0 bis 100) hat Ähnlichkeit mit dem Regler "Schwellenwert" beim USM-Filter. Der Regler steuert den Einsatz einer Kantenmaske. Bei einem Wert von Null werden alle Bereiche gleich stark geschärft; bei einem hohen Wert werden nur die Bereiche in der Nähe starker Kanten geschärft.

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