Gimp - Kostenlose Alternative zu Photoshop (Gimp 2.6)

Adobe Photoshop lässt kaum einen Wunsch bei der Nachbearbeitung offen und wenn es doch einmal vorkommen sollte, gibt es irgendwo ein passendes Plug-In. Der größte Nachteil von Photoshop ist sicherlich sein Preis. Rund 1.000 € für eine Vollversion schockt nicht nur Hobby- und Gelegenheitsfotografen.

Genau für diese Zielgruppe gibt es aber eine Alternative: Das GNU Image Manipulation Program, kurz Gimp. Das Open-Source-Programm kann aktuell in der Version 2.6 kostenlos im Internet heruntergeladen werden ( www.gimp.org) und steht für die Betriebssysteme Linux, Windows und Mac OS zur Verfügung.

Wer glaubt, "kost' nix, is' nix", wird hier positiv überrascht werden. Gimp bietet fast alles, was das Fotografenherz schneller schlagen lässt, sogar einen Kanalmixer.

Eine deutliche Einschränkung gibt es jedoch: Gimp arbeitet bislang nur mit einer Farbtiefe von 8 Bits je Farbkanal. Dies schränkt die Möglichkeiten deutlich ein, da die Bilddaten bei einer umfangreicheren Nachbearbeitung schnell Schaden nehmen können.

Wer allerdings ohnehin nur den JPEG-Modus seiner Kamera nutzt und allenfalls geringfügige Optimierungen oder Schwarz-Weiß-Umwandlungen vornehmen will, erhält mit Gimp ein gutes Bildbearbeitungsprogramm zu einem unschlagbaren Preis.

An dem nebenstehenden Beispiel will ich kurz eine typische Optimierung mit Gimp 2.6 vorstellen.

1. Schritt

Wer seine Fotos als JPEG-Datei aufnimmt, sollte zu Beginn jeder Bildbearbeitung eine Kopie der Aufnahme in einem unkomprimierten Dateiformat anlegen, z.B. als TIFF-Datei.

Auch in Gimp gibt es hierfür den Befehl "Datei > Speichern unter...". In dem sich öffnenden Dialog müssen Sie die Auswahl "Dateityp" öffnen und in der Tabelle weit nach unten scrollen, um das TIFF-Format zu finden.

 

2. Schritt

Die eigentliche Bildbearbeitung beginnt mit dem Setzen des Schwarz- und Weißpunkts. In Gimp steht hierfür der Befehl "Farben > Werte ..." zur Verfügung, der in der Funktionsweise mit der Tonwertkorrektur in Photoshop identisch ist.

Zum Setzen des Schwarzpunkts wird in dem Dialog Farbwerte das kleine schwarze Dreieck unterhalb des Histogramms nach rechts verschoben, bis es die ersten Pixel des Histogramms erreicht.

Der Weißpunkt wird entsprechend mit dem weißen Dreieck gesetzt, nur dass dieses nach links verschoben werden muss.

Um mein Foto ein wenig aufzuhellen, habe ich zudem den Gammaregler, das graue Dreieck in der Mitte, leicht nach links bis zum Wert 1,05 verschoben.

3. Schritt

Anschließend habe ich mit dem Befehl "Farben > Kurven..." den Kontrast der Aufnahme ein wenig gesteigert. Der Dialog Kurven in Gimp entspricht im Wesentlichen der Gradationskurve in Photoshop.

Durch einen Mausklick auf die Kurve habe ich in den hellen und dunklen Bildbereichen jeweils einen Ankerpunkt gesetzt und die Grade zu einer leichten S-Kurve verschoben.

Anmerkung: Natürlich hätte ich den Schwarz- und Weißpunkt in Schritt 2 auch mit dem Kurvenbefehl setzen können. Ich persönlich finde das hier beschriebene Vorgehen jedoch verständlicher. Gimp bietet die Möglichkeit, in dem Dialog Farbwerte die Einstellungen vorzunehmen und diese anschließend mit dem Schalter "Diese Einstellungen als Kurve bearbeiten" in den Kurvendialog zu übertragen.

 

4. Schritt

Bereits diese wenigen Änderungen haben zu einer deutlichen Verbesserung des Ausgangsfotos geführt. Die Aufnahme hatte aber noch einen blauen Farbstich, der die Landschaft kalt und unwirklich erschienen ließ. Natürlich hätte ich mit dem Kurvendialog auch eine Farbkorrektur vornehmen können.

Stattdessen entschied ich mich dafür, eine Art Fotofilter zu simulieren. Die Idee war, eine farbige Ebene wie eine Folie über das Foto zu legen, um den Farbstich auszugleichen.

Zunächst musste ich die Farbe für die Ebene wählen. Mit einem Klick auf die Farbfläche der Vordergrundfarbe im Fenster "Werkzeugkasten" wird der Dialog "Vordergrundfarbe ändern" geöffnet.

Um den kalten Farbstich auszugleichen, wählte ich einen warmen orangenen Farbton mit den Werten 235 für Rot, 177 für Grün und 19 für Blau.

Nachdem die Vordergrundfarbe geändert war, konnte ich die neue Ebene anlegen. Hierzu steht in Gimp der Befehl "Ebene > Neue Ebene..." zur Verfügung. Alternativ können Sie im Fenster "Ebenen, Kanäle, Pfade.." auch auf das Symbol klicken.

Um die neue Ebene mit der zuvor gewählten Farbe zu füllen, wählte ich im folgenden Dialog als Ebenenfüllart die Option "Vordergrundfarbe".

Eine neue orangefarbene Ebene wurde angelegt und verdeckte zunächst das Bild vollständig.

Um das Foto durch die neue Ebene hindurch sichtbar werden zu lassen, musste im Fenster "Ebenen, Kanäle, Pfade,..." der Ebenenmodus geändert werden. In Gimp stehen fast genauso viele Ebenenmodi für die Verrechnung der Ebenen zur Verfügung wie in Photoshop.

Für meinen Fotofilter wählte ich den Modus "Farbe". Sofort wurde das darunterliegende Bild wieder sichtbar. Um die Farbwirkung abzuschwächen setzte ich die Deckkraft auf 25 %.

5. Schritt

Mein Fotofilter hatte auf das Land die gewünschte Wirkung, das Blau des Himmels und des Meeres machte er jedoch schmutzig. Mit Hilfe einer Ebenenmaske sollte in diesen Bereichen die Wirkung wieder aufgehoben werden.

Im Fenster "Ebenen, Kanäle, Pfade,..." wechselte ich deshalb mit einem Mausklick wieder auf die Hintergrundebene.

Mit Hilfe des Zauberstabs aus dem Fenster "Werkzeugkasten" wählte ich im Foto den blauen Himmel und Teile des Meeres aus. Bei einem Schwellenwert von 32 war hierzu ein einziger Mausklick auf den Himmel notwendig.

Neben dem Zauberstab bietet Gimp auch eine Reihe weiterer Auswahlwerkzeuge, wie z.B. ein Auswahlrechteck, ein Lasso oder ein Farbauswahlwerkzeug.

Um weiche Übergänge an den Rändern der Marke zu erhalten, wählte ich den Befehl "Auswahl > Ausblenden", der dem Befehl "Weiche Auswahlkante" in Photoshop entspricht.

Wie groß die Übergänge an den Maskenrändern sein sollten, hängt von der Größe des Fotos ab. Für mein 6-Megapixel-Foto wählte ich im folgenden Dialog einen Wert von 10 Pixeln.

Die Auswahl war damit getroffen.

Im Fenster "Ebenen, Kanäle, Pfade,..." wechselte ich anschließend wieder auf die neue Ebene meines Fotofilters.

Mit dem Befehl "Ebene > Maske > Ebenenmaske hinzufügen..." wurde die Maske erstellt.

Im folgenden Dialog musste lediglich für "Ebenenmaske initialisieren nach" der Menüpunkt "Auswahl" angeklickt werden. Da die zuvor ausgewählten Bildbereiche maskiert werden sollten (die Ebene in diesen Bereichen also ausgeblendet werden sollte), musste zudem die Option "Maske invertieren" gewählt werden.

Mit einem Klick auf "Hinzufügen" wurde die Maske erstellt. Das Blau des Himmels und des Meeres wirkte nicht mehr schmutzig.

6. Schritt

Zum Abschluss wurden die Ebenen mit dem etwas versteckten Befehl "Bild > Bild zusammenführen" wieder auf den Hintergrund reduziert und nachgeschärft.

Zum Nachschärfen bietet Gimp den Filter "Filter > Verbessern > Unscharf maskieren...", der mit seinem Namensvetter in Photoshop fast identisch ist.

Die Stärke der Schärfung wird im Gimp - anders als in Photoshop - nicht mit einem Regler "Stärke", sondern mit dem Regler "Menge" festgelegt, der von 0,0 (sehr schwach) bis 5,0 (sehr stark) reicht. Die Regler "Radius" und "Schwellenwert" haben dieselben Funktionen wie in Photoshop. Der Wert "Radius" bestimmt die Zahl der benachbarten Pixel, die durch das Schärfen verändert werden. Der "Schwellenwert" definiert, wie viele Pixel als Kante betrachtet werden sollen.

Das Ergebnis

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Farbstich entfernen
Schwarz/Weiß-Umwandlung I: Kanalmixer

< zurück zur Übersicht