Farbstich beseitigen (Photoshop CS)

Ist bei der Aufnahme der Weißabgleich der Kamera nicht optimal eingestellt oder arbeitet der automatische Weißabgleich nicht ganz sauber, weist das Foto später einen Farbstich auf. Im Vorteil ist, wer das RAW-Format seiner Kamera nutzt. Hier kann der Weißabgleich später bei der RAW-Konvertierung ohne Qualitätsverlust eingestellt werden. Aber auch bei JPEG- oder TIFF-Bildern kann ein Farbstich mit der Bildbearbeitung beseitigt werden.

Eine sehr effektive und zuverlässige Methode einen Farbstich zu beseitigen, ist die Arbeit mit grauen Referenzpunkten. Voraussetzung dieser Methode ist jedoch, dass das Bild neutralgraue Bildpartien hat.

Das Ausgangsbild in meinem Beispiel ist eine Urlaubsaufnahme der Voer Kirke in Nordjüttland. In den Schattenpartien ist ein deutlicher Blaustich zu erkennen. Das farbige Histogramm zeigt, dass der Tonwertumfang nicht vollständig ausgenutzt wird. Der magentafarbige Streifen am linken Rand zeigt zudem, dass lediglich im Rot- und Blaukanal dunkle Punkte vorhanden sind.

1. Schritt

Im ersten Schritt soll der Schwarz- und der Weißpunkt mit Hilfe einer Einstellungsebene "Tonwertkorrektur" (Befehl: Ebene > Neue Einstellungsebene > Tonwertkorrektur...) gesetzt werden.

Im Normalfall gilt ein Foto als ausgewogen, wenn des Tonwerte von ganz Schwarz (0) bis ganz Weiß (255) aufweist. Bei einem Farbfoto im RGB-Farbmodus ist der dunkelste Punkt Schwarz, wenn alle drei Farbkanäle den Wert 0 aufweisen. Für reines Weiß müssen in allen drei Farbkanälen Pixel mit dem Wert 255 vorhanden sein.

Um den Schwarzpunkt zu setzten wählen Sie in dem Dialog "Tonwertkorrektur" nacheinander jeden Farbkanal an, in meinem Beispiel zuerst den Rotkanal.

Nun wird das schwarze Dreieck unterhalb der Histogrammkurve so weit nach rechts geschoben, bis es am Fuß des ersten Bergs angekommen ist. Diese Prozedur wird in den beiden anderen Farbkanälen wieder holt. Im farbigen Histogramm reicht danach die olivgrüne Kurve, die sich aus allen drei Kanälen zusammensetzt bis an den rechten Rand. In allen Kanälen sind nun Pixel mit dem Wert 0 vorhanden.

Das Foto ist anschließend etwas dunkler. Wenn Sie mit der Maus über das Bild links fahren, können Sie den Unterschied sehen.

In entsprechender Weise kann auch der Weißpunkt gesetzt werden. Beim Weißpunkt wird in jedem Farbkanal das weiße Dreieck unterhalb des Histogramms nach links verschoben.

In meinem Beispiel habe ich das weiße Dreieck ausnahmsweise über den Fuß des ersten Bergs (ganz rechts) hinaus nach links geschoben. Das führt dazu, dass nun allen Pixel, die rechts vom Dreieck liegen, der Wert 255 zugewiesen wird. Im farbigen Histogramm entsteht am rechten Rand eine Säule, sog. Spitzlicht.

Spitzlicht ist im Regelfall eigentlich nicht erwünscht, da die in den Lichtern liegenden Details des Fotos verschwinden. Mein Beispielbild hat jedoch größere weiße Flächen. Die von der Sonne angestrahlte Südseite der Kirche sollte im reinen Weiß erscheinen. Deshalb war es notwendig, das Dreieck über den ersten kleinen Hügel am rechten Rand der Kurve zu ziehen.

Durch das Setzen des Weißpunkts wurde mein Foto wieder etwas heller. Der Blaustich im Schatten ist jedoch weiter vorhanden, wenn auch schon abgeschwächt.

2. Schritt

Im zweiten Schritt müssen nun graue Referenzpunkte im Foto gesucht werden. Das sind Bildpunkte, die später grau erscheinen sollen oder einem neutralen Grau sehr nahe kommen sollen. Diese Punkte werden mit dem Farbaufnahme-Werkzeug (I) im Foto markiert. In meinem Beispiel wählte ich einen der dunklen Punkte der Holzladen am Turm (#1), einen hellen Punkt auf der Schattenseite des Kirchturms (#2) und einen weiteren noch helleren Punkt am Vorbau der Kirche (#3).

Je mehr Punkte insbesondere mit unterschiedlicher Helligkeit aufgenommen werden, um so sicherer ist das spätere Ergebnis. Ein einzelner Graupunkt kann jedoch schon als Einstieg in die Bearbeitung dienen.

Achten Sie darauf, dass bei den Werkzeugoptionen des Farbaufnahme-Werkzeugs der Aufnahmebereich "3 x 3 Pixel Durchschnitt" gewählt ist. Ist der Aufnahmebereich auf "1 Pixel" gesetzt, ist die Gefahr zu groß, dass die Markierung genau neben den gewünschten Punkt gesetzt wird.

Sind die Markierungen des Farbaufnehmers gesetzt, werden die Farbwerte der einzelnen Markierungen in der Infopalette angezeigt. Bei neutralem Grau müssten die Werte in allen drei Farbkanälen jeweils gleich sein. In meinem Beispiel sind allein die Werte in der Markierung #3 annähernd gleich. In den Punkten #1 und #2 sind deutliche Unterschiede vorhanden. Die hohen Werte im Baukanal und die niedrigen Werte im Rotkanal belegen den wahrgenommenen Blaustich in den dunklen Partien des Bildes.

3. Schritt

Mit Hilfe einer Einstellungsebene "Gradationskurven" (Befehl: Ebene > Neue Einstellungsebene > Gradationskurven...) werden nun die Gradationskurven der einzelnen Farbkanäle so bearbeitet, dass in allen drei Markierungen gleiche Werte angezeigt werden. Da in meinem Beispiel die Werte des Grünkanals in den Punkten #1 und #2 genau zwischen den Werten der übrigen Kanäle liegen, lasse ich den Grünkanal unverändert. Die Werte im Rot- und Blaukanal sollen den Werten im Grünkanal angeglichen werden.

Ich beginne meine Änderungen im Rotkanal. Auf die diagonal verlaufende Gradationskurve habe ich zuerst im linken unteren Bereich einen neuen Punkt mit der Maus gesetzt und diesen solange verschoben bis unter "Eingabe" der Wert "44" und unter "Ausgabe" der Wert "50" erreicht wurde. Nach dem Setzen des Punktes können die Werte auch per Hand unterhalb der Gradationskurve eingegeben werden. Danach habe ich einen zweiten Punkt etwa in der Mitte der Kurve gesetzt und diesem die Werte Eingabe: 99 und Ausgabe: 112 zugewiesen.

Die ursprünglich gerade Kurve macht nun einen leichten Bogen nach oben. Die dadurch verursachten Änderungen der Werte im Rotkanal können auch in der Infopalette verfolgt werden. Links vor dem Schrägstrich ist der Eingabewert, rechts hinter dem Strich der aktuelle Ausgabewert angegeben. In den Punkten #1 und #2 hat der Rotkanal nun die gleichen Ausgabewerte wie der Grünkanal.

Aber auch im Punkt #3 hat sich durch das Verschieben der Kurve der Ausgabewert des Rotkanals geändert. Da die Gradationskurve einen Bogen nach oben macht, ist nun der Wert des Rotkanals deutlich höher als im Grünkanal.

Um auch im Punkt #3 den Grauton zu erhalten, wird deshalb auf der Gradationskurve im Rotkanal ein dritter Punkt im oberen rechten Teil gesetzt, der die Werte Eingabe: 180 und Ausgabe: 179 erhält.

Danach sind die Werte aller drei Markierungen im Rot- und Grünkanal gleich.

Die gleiche Prozedur wird nun im Blaukanal wiederholt, damit sich auch die Werte des Blaukanals den anderen Farbkanälen angleichen.

Der erste Punkt auf der Kurve erhält die Werte Eingabe: 62 und Ausgabe: 50, der zweite Punkt die Werte Eingabe: 129 und Ausgabe: 112, der dritte Punkt die Werte Eingabe: 182 und Ausgabe: 179.

In den drei im Foto markierten Punkten sind die jeweiligen Ausgabewerte der Farbkanäle nun gleich.

Der ursprüngliche Blaustich ist in meinem Beispiel verschwunden.

Schlussbemerkung

Auch wenn hier ein anderer Eindruck entstehen mag, Farbe in der Fotografie ist alles andere als eine exakte Wissenschaft. Ein perfekter Weißabgleich ist keine Garantie für gute Farben im Bild. Bessere Ergebnisse können zum Teil durch bewusste Abweichungen oder deutliche Farbstiche erzielt werden. Man denke nur an Aufnahmen eines Sonnenauf- oder -untergangs oder an Bilder der "Blauen Stunde" kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang.

Vor der Arbeit mit Tonwertkorrektur, Gradationskurven oder anderen Werkzeugen, die Farbe oder Kontrast ändern, sollten Sie wenn möglich die Farbtiefe von 8 Bit je Farbkanal auf 16 Bit erhöhen (Befehl: Bild > Modus > 16 Bit pro Kanal). Arbeiten mit diesen Werkzeugen führen zwangsläufig zu Verlusten von Bildinformationen. Diese sind an den Streifen im Histogramm deutlich zu erkennen, dort fehlen Bilddaten.

Dies ist nicht ganz so schlimm, wie es zunächst aussieht. Fehlende Bildinformationen werden später neu berechnet und hinzugefügt (siehe Histogramm links). Rundungsfehler bei der Berechnung führen jedoch zu einer Verringerung der effektiven Farbtiefe. Dies ist bei 16-Bit-Bildern besser und vor allem länger zu verkraften als bei 8-Bit-Bildern.

Das Ergebnis

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